Zwischendurch mal Hamburg

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Bundesliga, 24. Spieltag: Hamburger Essvau - Borussia 2:1

Und im selben Rythmus ging es weiter. Zwischen den beiden Achtelfinalspielen der Europaleague war Bundesliga-Alltag in Hamburg auf dem Spielplan. Nur einen Tag nach dem Spiel auf Schalke machten wir uns auf den Weg Richtung Hansestadt. Auch wenn das Spiel in Hamburg erst am späten Sonntagnachmittag stattfinden würde, lohnt sich eine mehrtägige Reise an die Elbe immer. Es waren mehrere Fahrgemeinschaften unterwegs. Als erste vermeldete die Becker-Scratch-Fraktion ihre Ankunft. Auch Bachelor war schon früher gefahren, um das Spiel vom FC St. Pauli zu verfolgen. Oder wollte er doch lieber heimlich und ohne Zeugen ins Friedrichs? Da war doch was...

Wir kamen mit unserem Neunsitzer einigermaßen gut durch und checkten in unserem Hotel, der Superbude, ein. Hier hatten wir uns bereits zum dritten mal einquartiert. Diese in der Ausstattung etwas andere Art Hotel ist vielleicht nicht für jeden etwas, aber für uns genau das richtige.

 

Etwas mussten wir noch auf Bachelor warten, der nach dem Fußballspiel am nahen Millerntor erst noch zu uns stoßen musste. Die Warterei verkürzten wir mit regionalem Flaschenbier aus dem Kühlschrank der Hotel-Lobby.

Dann wurde es auch Zeit, etwas Essbares zu erwerben. Allgemeines Magenknurren hatte sich eingestellt. Wie schon in den Vorjahren steuerten wir den Griechen im Schanzenviertel an. Oder war es ein Italiener? Oder doch ein Jugoslawe? Auf jeden Fall hatte dieser internationale Laden für jeden Geschmack etwas zu bieten. Auch die internationalen Bierspezialitäten ließen keinen Wunsch offen.

So sehr alt wurden wir an diesem Abend nicht mehr. Noch etwas geschlaucht von der Anreise und gut gesättigt blieben wir nicht mehr lange in dem Restaurant. Wir gingen zurück zum Hotel und fanden nach einem Schlummertrunk in der Lobby schnell den Frieden der Nacht.

Am Samstagmorgen stellten wir beim Blick aus dem Fenster fest: Es würde ein schöner Tag werden. In den Jahren zuvor hatten wir immer Pech mit dem Wetter gehabt und das typische Hamburger Schmuddelwetter ertragen müssen. Aber heute guckte tatsächlich die Sonne raus. Nach und nach trudelten alle zum Frühstück ein. Danach war die Tagesplanung zunächst unterschiedlich. Die einen wollten einkaufen, andere direkt zur Reeperbahn. Omi und ich nahmen bei dem schönen Wetter einen längeren Spaziergang mit Kulturprogramm in Angriff. Als erstes besuchten wir das Stadion Millerntor und den St.-Pauli-Fanshop.

Vorbei an einem Park, der inzwischen zu einer Borussenfestungs-Kultstätte geworden ist, war unser nächstes Ziel der Hamburger Michel, das Wahrzeichen von Hamburg. Dahin hatten wir es in den Jahren zuvor nie geschafft.

Von dort aus war es nicht weit bis zum Elbufer und der Speicherstadt, unserem nächsten Ziel. Wegen des schönen Wetters war heute hier mächtig was los. Der erste richtig schöne Sonnentag des Jahres hatte viele Leute hier hin gelockt.

In der Kaffeerösterei deckte ich mich mit einem Vorrat an Kaffeespezialitäten ein. Eigentlich wollten wir ja auch mal ins Miniaturwunderland. Aber wegen zu viel Andrangs verwarfen wir diesen Gedanken. Also machten wir uns auf den Weg in Richtung Landungsbrücken, vorbei am historischen Hafen und der Elbphilharmonie. Mittlerweile hielten sich dort wahre Menschenmassen auf.

Von den Landungsbrücken erreichten uns Meldungen der Becker-Scratch-Fraktion unter der Leitung der Simpsons, die dort bereits irgendwo eingekehrt waren. Da wollten Omi und ich auch noch hin und dazu stoßen. Nur irgendwie funktionierte das mit dem Treffen nicht so. Der Weg dahin zog sich wie Kaugummi. Und jedesmal, wenn wir damit rechneten, die Leute zu treffen, waren sie weitergezogen. Nach einem nahezu unendlichen Marsch vorbei an den Landungsbrücken, der Hafenstraße und dem Fischmarkt hatten wir sie endlich eingeholt. Da waren wir schon fast in Altona, als wir sie in der Haifischbar endlich trafen. Jetzt war erst mal ein Bier fällig. Und so lange hatten wir jetzt nicht Zeit, uns von dem Gewaltmarsch zu erholen.

Zum vereinbarten Treffpunkt auf der Reeperbahn war ein weiterer Fußmarsch erforderlich. Für halb vier am Nachmittag hatte Omi schon vor Wochen einen Tisch für alle reserviert. Der Weg führte uns wieder am Fischmarkt vorbei.

Endlich am "Herzblut" angekommen, trafen wir auch Max und Bachelor wieder, die auf jegliches Kulturprogramm verzichtet hatten und direkt vom Hotel hier hin gekommen waren, um auf den sonnigen Plätzen vor der Gaststätte schon mal vorzuglühen.

Weiter ging es aber jetzt im Lokal, wo unser reservierter Tisch war. Nach und nach trafen dann auch alle ein. Auch das Grüppchen um Frau M. und Locke, das heute erst angereist war, fand den Weg hier hin, wo wir schon im Vorjahr eingekehrt waren.

Auf Großleinwand lief die Bundesliga-Konferenz und wir verfolgten diese bei gutem Essen und -natürlich- reichlich Bier und Cocktails. Zwischendurch verschwanden ein paar der Frauen für eine Shopping- und Erkundungstour der besonderen Art auf der Reeperbahn. Auch kam die Vorliebe der Frauen für gegrillte Marshmallows zu Tage. Stilecht wurden die den Cocktails beigefügten Marshmallows von Max über dem offenen Feuer gegrillt. Dazu musste diesmal ein Teelicht genügen.

So um halb acht am Abend wechselten wir dann das Lokal. In der letzten Saison hatten wir das "Osborne" in der Friedrichstraße zu unserem Stammlokal auserkoren. Und natürlich wollten wir auch diesmal dort einkehren. Und tatsächlich erkannte der kultige Wirt Herrmann, der seine Arbeit hinter der Theke im Arbeitsanzug verrichtet, sofort wieder. Jetzt wurde die Schlagzahl des Bierkonsums doch leicht erhöht. Gute Musik und ein gutes und gut gelauntes Publikum in der Kneipe ließen die Zeit wie im Fluge vergehen.

Ein Teil der Leute setzte sich irgendwann ab, um noch im Café Journal, der einzigen Altbierkneipe der Reeperbahn, einzukehren. Von dort erreichte uns mit Hilfe moderner Smartphone-Technologie die Information, dass Bachelor hinter Gittern gelandet war. Wir hatten aber auch weiterhin im Osborne unseren Spaß. Frau M. war erstmals seit Jahren mit in Hamburg auf Auswärtstour und feierte das auch mit Omi.

 

Wir hatten dann spät nach Mitternacht irgendwann genug des Weingeistes und gingen zum Hotel zurück. Aber nicht, ohne am Kiosk für flüssige Marschverpflegung zu sorgen. Das klappte diesmal ohne Zwischenfälle oder Scherben. Das hatten wir auch schon mal anders. Stimmt's, Tine? Nur kurz verweilten wir noch in der Lobby der Superbude, bis wir uns zur Augenpflege auf die Zimmer verzogen.

Sonntagmorgen. Matchday! Das wichtigste war erstmal ein ausgedehntes Frühstück. Als letztes erschienen Max und Bachelor am Frühstücksbuffet. Bei ihnen hatte der Streifzug über die Reeperbahn etwas länger gedauert. Ganz früh am Morgen hatte sich Lockes Gruppe, die in einem anderen Hotel untergebracht war, schon Meldung vom Besuch am Fischmarkt gemacht. Reschpeckt! Das habe ich hier noch nie geschafft, so früh aufzustehen.

Wir in der Superbude mussten jetzt auschecken, weil wir ja am Abend noch nach Hause mussten. Kurz nach Mittag fuhren wir dann mit unserem Neunsitzer erst zum Tanken, bevor wir den Wagen unweit der Autobahnauffahrt abstellten. An der Tankstelle kam die Frage auf, ob man hier besoffen sein muss, wenn man günstig tanken will. Immer diese zweideutigen Schilder... Eine Viertelstunde hatten wir zu laufen, bis wir das Volksparkstadion erreichten.

 

Wir waren noch früh dran, so dass wir noch genügend Zeit hatten, dem Biergarten unweit des Gästeeingangs einen Besuch abzustatten. Mal noch war der Betrieb überschaubar. Und hier gab es auch besseres Essen als am Imbiss im Stadion. Das wussten wir aus der Vergangenheit. Nach und nach trafen dann auch fast alle vom Fanclub hier ein. Bis auf Locke und sein Grüppchen. Die waren wohl noch vom Fischmarkt-Besuch gezeichnet und blieben noch etwas im Hotel.

 

Ein paar Runden Bier später gingen wir dann den kurzen Weg zum Stadion. Die Einlasskontrollen waren diesmal einigermaßen oberflächlich. Noch schnell ein Bier besorgt und rein ging es in den Gästeblock. Wenn nur die unendlichen Treppen nicht wären.

Wir hatten wieder Plätze hoch auf dem Oberrang mit gutem Überblick. Nur so langsam wurde es kühl, nachdem die Sonne weg war. Blieb zu hoffen, dass das Spiel der Borussia uns heute erwärmen würde. Das Stadion füllte sich jetzt und es konnte losgehen. Das Fahnengeschwenke der Ultras störte uns diesmal nicht. Die waren ja ganz unten im Stehblock und nicht im Blickwinkel.

Das Spiel begann für Borussia recht vielversprechend, obwohl einige Stammspieler fehlten. So spielte Drmic im Sturm. Würde das gutgehen? Da kann man doch genauso gut eine Parkuhr hinstellen. Nach einer verhaltenen Anfangsphase mit wenig Torszenen ging Borussia in der 23. Minute mit einem Kopfball von Christensen nach Freistoß-Flanke von Wendt in Führung. Wenig später jubelten die Hamburger. Aber nur kurz. Nach Rücksprache mit dem Linienrichter entschied der Schiedsrichter auf abseits. Im Gegenzug hatte Borussia die Riesenchance zum 2:0. Das wäre wohl geglückt, wenn unser Stürmer nicht Drmic heißen würde. Unser Chancentod machte seinem Ruf alle Ehre und scheiterte an Hamburgs Torwart Adler.

Und wie das so ist. Macht man vorne das Tor nicht, fängt man sich hinten eins. So auch diesmal. Elvedi kam beim Kopfballduell nicht ran und konnte den unhaltbaren Kopfball nicht verhindern. Dumm gelaufen. Statt 2:0 stand es jetzt 1:1. Erneut hatte Borussia aber eine Chance, wieder in Führung zu gehen. Herrmann scheiterte aber bei dem Konter an Adler. Mit dem Unentschieden ging es dann in die Pause.

Was Borussia dann in der zweiten Hälfte ablieferte, war unter aller Sau. Nichts klappte mehr. Lag es an der nachlassenden Kraft nach der englischen Woche? Auf jeden Fall waren viele Unkonzentriertheiten im Spiel, so dass Borussia überhaupt nicht mehr gefährlich vor das Hamburger Tor kam. Die Hamburger ihrerseits erhöhten den Druck und Sommer hatte einiges zu tun. In der 80. Minute war er dann chancenlos, als nach einem Gewühl im Fünfmeterraum ein abgefälschter Ball dem Angreifer vor die Füße fiel und den Ball nur noch zum 2:1 ins Tor dreschen musste. Es hatte sich abgezeichnet. Und es war auch kaum noch Zeit, das Spiel noch umzubiegen. Eine Kopfballchance hatte Borussia noch. Aber Drmic zielte wie gewohnt vorbei. Das war's.

Am Ende war es eine verdiente, aber vermeidbare Niederlage. Heute hatte Borussia nach der Führung nicht nachgesetzt und das entscheidende Tor erzielt. Hamburg hat nach der Pause aufgedreht und letztendlich wegen der besseren kämpferischen Einstellung das Spiel verdient gewonnen. Ziemlich bedröppelt verabschiedete sich die Mannschaft vom Gästeblock. Hierzu muß man heute leider sagen, dass der Support alles andere als gut gewesen war. Außer den Standard-Singsangs kam da heute gar nichts. Und der Oberrang zog kaum mal mit. Das sollte sich bei zukünftigen Auswärtstouren bessern. Borussia hat einen besseren Support verdient. Der war heute genauso mies wie die Leistung der Mannschaft in der zweiten Halbzeit.

Wir verabschiedeten uns jetzt vom Rest der Borussenfestung und gingen zum Neunsitzer zurück. Nichts wie ab nach Hause. Bis auf ein paar Verzögerungen bei der Suche nach einer noch geöffneten Raststätte verlief die Heimfahrt recht flott. So um halb zwei in der Nacht waren wir wieder in Siegen. Mal wieder war Hamburg ein lohnendes Reiseziel mit vielen neuen Eindrücken und netten Leuten. Wenn da nur nicht wieder das doofe Spielergebnis gewesen wäre...