Wenn der Präsi die Männergrippe hat

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Bundesliga, 18. Spieltag: Leprakusen - Borussia 2:3

Zum ersten Auswärtsspiel der Rückrunde in der Pillenstadt war die Borussenfestung mal wieder mit der Bahn unterwegs. Doch diesmal fehlten ein paar der üblichen Verdächtigen. Unser Präsi Gandalf hatte sich kurzfristig wegen Männergrippe abgemeldet und zog es vor, allein daheim dahinzudarben, während die First Lady Tine mit dabei war. Auch die Oldmoney-Fraktion fehlte, weil sie es mal wieder vorzogen, sich im Skiurlaub die Beine zu brechen, statt die Borussia auswärts zu unterstützen. Naja, auch ohne Präsi und Kassierer würde die Tour gut werden, zumal auch die Locke-Fraktion mit an Bord war.

Wie immer mussten wir in Öln-Deutz umsteigen. Nach einer kurzen Stärkung mit Sättigungsmitteln einer amerikanischen Burger-Kette ging die Tour weiter. Übrigens... Vielen Dank an Watili für die mitgebrachte Kiste Siegtalbrause! Auch sein neuer Schal ist absolute Spitze!

 

Nach der Ankunft in Leverkusen-Mitte hatten wir noch einen kurzen Fußmarsch hinter uns zu bringen, bis wir am Eingangsbereich des Stadions ankamen. Dort trafen wir auf weitere Leute der Borussenfestung, die auf anderen Wegen hier hin gekommen waren. Insgesamt war die Erwartungshaltung vor dem Spiel eher pessimistisch. Die meisten erwarteten eher eine klare Klatsche als einen Punktgewinn. Ja, so ein Pünktchen wäre schon ein Erfolg. Einen Sieg erwartete kaum jemand.

Nach den eher oberflächlichen Einlasskontrollen nahmen wir unsere Plätze ein. Die meisten von uns waren im Stehblock im Unterrang, ein paar aber auch auf dem Oberrang auf teuren Sitzplätzen. Auf jeden Fall war gute Sicht aufs Spielfeld garantiert. Die Fahnen der Ultras verwehren hier nicht den Blick aufs Spielgeschehen. Die Stimmung im Block war von Beginn an gut. Von dem lächerlichen Heim-Fanblock war fast gar nichts zu hören.

Nur unmittelbar vor Spielbeginn sorgte dieser Ultra-Block für Aufsehen mit einer Pyro-Aktion, bei der mehrere Personen verletzt wurden. Wohl als Rache für eine verbotene Choreo gedacht, wird das wohl zu einem Bumerang und möglicherweise zu einer Blocksperren-Strafe führen. Wie kann man nur so dumm sein? Die Kreativität kann man diesen Idioten dennoch nicht absprechen. Eine der Fallschirm-Leuchtkugeln wurde laut Medienberichten mit Hilfe einer Drohne ins Stadion gefeuert. (Siehe Fotos unten links)

Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, konnte das Spiel endlich losgehen. Die erste Angriffswelle der Pillenfresser war schnell verpufft und Borussia kam gut ins Spiel. Auch Chancen wurden erarbeitet, die aber leider nicht zum Torerfolg führten. Nach einer halben Stunde konnten wir mit dem Spiel der Borussia eigentlich zufrieden sein. Leverkusen hatte bisher kaum etwas gezeigt.

Doch dann folgten zwei Minuten Tiefschlaf in Borussias Abwehr. Zweimal flog ein Eckball der Pillen in den Fünfmeterraum, zweimal kamen die Angreifer zum Kopfball, zweimal klebte Sommer auf der Linie und zweimal war der Ball im Tor. Der Spielverlauf war auf den Kopf gestellt. Wieder einmal musste Borussia trotz gutem Beginn einem Rückstand hinterher laufen. Das bisher gute Spiel hatte einen Bruch und die Gastgeber machten jetzt das Spiel. Mit etwas Glück rettete Borussia sich mit dem zwei-Tore-Rückstand in die Pause.

Eigentlich konnten wir ja nach Hause gehen. Kaum jemand rechnete nach den Erfahrungen der Hinrunde noch mit einer Wende in diesem Spiel. Wann hatte Borussia zuletzt ein 0:2 noch in einen Sieg gedreht? Ja, vor ein paar Jahren in Hannover. Damals war Arango noch der Siegtorschütze. Aber der war ja nicht mehr da. Jetzt war Charakter gefragt, diese fast unmögliche Aufgabe anzutreten. An Unterstützung durch uns Fans mangelte es nicht. Mit dem Erscheinen der Mannschaft auf dem Spielfeld nach der Pause startete ein lautstarker Support, der unsere Spieler nach vorne treiben sollte.

Und Borussia hatte den Rückstand tatsächlich weggesteckt und übernahm wieder die Spielkontrolle, die zum Ende der ersten Hälfte bei den Pillen gewesen war. Und schnell gab es Torchancen. Die erste vergab noch Hazard, der in Schnellinger-Manier in eine etwas zu steil geratene Vorlage von Dahoud grätschte. Borussia zeigte jetzt auch die erforderliche Galligkeit bei Zweikämpfen. Hart, aber fair wurde um jeden Ball gekämpft. Nach einem zur Kerze mutiertem Schussversuch von Hazard erkämpfte sich Stindl in einem dieser Zweikämpfe den entscheidenden Vorteil und konnte mit einem sehenswerten Diagonalschuss den Anschlusstreffer erzielen! Jaaaaaaa, geht doch!

Jetzt war es an unserer Mannschaft, ein Feuerwerk abzubrennen. Unsere Angreifer setzten sich jetzt in der Leverkusener Hälfte fest und drängte auf den Ausgleich. Zwischendurch mussten wir mal kurz durchschnaufen beim einzigen gefährlichen Angriff der Pillenfresser. Der Schuss ging nur knapp am Tor vorbei.

Fast im Gegenzug durften wir wieder jubeln. Raffael behauptete am linken Strafraumeck im Zweikampf den Ball, Wendt nahm den Ball mit und dessen Flanke köpfte Stindl zum Ausgleich ein! Extase und Bierdusche im Gästeblock! Da hatte keiner mit gerechnet! Borussia hatte das Spiel unter Kontrolle und den Ausgleich geschafft. Und es war noch eine halbe Stunde zu spielen. Ging da noch was?

Die Antwort ist ja! Zunächst vergab der unter dem neuen Trainer Hecking erstarkte Hofmann seine Chance, als er mit seinem Schuss knapp am Torwart scheiterte. Aber dann kam die 71. Minute. Im Mittelkreis gab es einen packenden Kampf um den Ball. Es war ein richtiges Gewühl, aus dem Kramer als Sieger hervorging. Mit einem genialen Pass setzte er Raffael in Aktion. Dieser drehte seinem Gegenspieler noch einen Korkenzieher in die Beine, bevor er den Ball dann am Torwart vorbei flach in die rechte Ecke plazierte! Jaaaaaaa! Extase und Bierdusche Vol. 2! Es war ein lange nicht mehr erlebter Torpogo. Sogar das übliche "Döp Döp Döp" wurde vergessen! War das zu glauben? Borussia führte tatsächlich mit 3:2 nach 0:2 - Rückstand!

Diese Führung galt es über die Zeit zu bringen. Deshalb beschränkte sich die Mannschaft darauf, Ball und Gegner vom Tor fernzuhalten. Und das gelang auch ganz gut. Die Pillenfresser probierten es nur noch mit Distanzschüssen, die aber allesamt das Tor verfehlten. Am Ende war es ein hochverdienter Auswärtssieg. Abegesehen von der Viertelstunde vor der Pause hatte Borussia das Spiel dominiert und diesmal auch die Torchancen genutzt. Diese Leistung sollte konserviert werden. So habe ich für die Rückrunde keine Bedenken.

Lautstark wurde der Auswärtssieg im Gästeblock und auf dem Rasen gefeiert. Danach machten wir uns auf den Weg zurück zur Bahnstation Leverkusen-Mitte, wo wir den nächsten Zug in Richtung Heimat erwischen mussten. Auf dem Weg deckten wir uns noch mit Dosenbier für die Rückfahrt ein. Drei Dosen für fünf Euro war dabei ein fairer Deal. Am Bahnhofsvorplatz kam dann die Ernüchterung. Der Bahnhof war gesperrt und auf dem Vorplatz wartete eine riesige Menschenmenge.

Ein Oberleitungsschaden und ein dadurch im Bahnhof festhängender ICE blockierten die Strecke. Hier herrschte jetzt das Chaos. Eigentlich sollte jetzt auch der Sonderzug Richtung Gladbach fahren und konnte nicht. Der Vorplatz war jetzt von mehreren tausend Fußballfans bevölkert, die nicht wussten, wie sie nach Hause kommen sollten. Und die anwesende Bereitschaftspolizei konnte auch keine brauchbaren Informationen liefern. Es war die Rede von Schienenersatzverkehr. Aber wann und wo? Immer wieder sahen wir Scharen von Leuten auf die vereinzelt eintreffenden Busse zustürmen. Ne, da wollten wir uns nicht beteiligen. Da waren Verletzte vorprogrammiert. Irgendwann beschloss die Locke-Fraktion, sich in die nächstgelegene Kneipe zu verabschieden, um dann später mit dem Taxi nach Deutz zu fahren. Der Rest der Borussenfestung musste weiterhin auf den richtigen Bus hoffen.

Es war schon nach 22 Uhr, als endlich der georderte Bus für den Schienenersatzverkehrs eintraf. Zum Glück war der Vorplatz schon leerer geworden, so dass wir ohne Gedrängel in dem Bus Platz fanden. Den Busfahrer hatten die Verantwortlichen wohl aus dem Bett geklingelt. Er war jedenfalls nicht sonderlich gut drauf und gab auf dem Weg zur nächstgelegenen Bahnstation in Mülheim Vollgas. Mit 80 km/h über eine rote Ampel mit einem vollbesetzten Pendelbus? Kein Problem. In Mülheim stiegen wir dann um in die U-Bahn und fuhren damit zum Hauptbahnhof Öln. Geschafft! Wir hatten schon fast befürchtet, in der Beklopptenmetropole übernachten zu müssen. Aber jetzt hatten wir noch Zeit, bis der Zug in Richtung Siegen abfahren würde.

Erneut wurden die Biervorräte aufgestockt. Diesmal im Supermarkt des Bahnhofs der Beklopptenstadt. Ein paar komische Gestalten, die ich der Ölner Ultraszene zuordnen würde, spukten auch da rum und versuchten, mit dummen Sprüchen zu provozieren. Die Gestalten waren aber schnell verschwunden, nachdem sie gemerkt hatten, dass wir deutlich in der Überzahl waren. Pünktlich waren wir alle dann am Bahnsteig und wir konnten den Zug in Richtung Siegen entern. Mit Hilfe von Online-Steuerung navigierten wir die Locke-Fraktion zum richtigen Wagen, so dass wir uns in Deutz im Zug wieder trafen. Weiterhin wurde der Auswärtssieg gefeiert und begossen. Und weil der Präsi nicht da war, fand der Ohrwurm der Vorwoche von Simon und Yannick ein neues Opfer: Patty, du alte Schlange... Patty? Schlange? Naja...

 

Durch die Verzögerung in Leverkusen waren wir diesmal erst um ein Uhr in der Nacht wieder in Siegen. Fatit der Tour: Borussia kann doch noch auswärts siegen. Jaja, wenn der Präsi die Männergrippe hat und auch der Kassierer nicht dabei ist, kann Borussia auch mal einen Rückstand in einen Sieg verwandeln. Eine Serie ist in Aussicht. Für die nächsten Spiele ist bereits bekannt, dass der Präsi erneut verhindert ist. Das kann ja was werden. ;-)

Klasse Bericht, Dino. Aber

Klasse Bericht, Dino.

Aber bedenke: ICH OPFERE MICH FÜR EUCH!!! :D

Ich glaube, ich bleibe auch gegen Florenz und das Produkt zu Hause! ;)