Saisonabschluss im Partyzug

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Bundesliga, 34. Spieltag: Borussia - Darmstadt 2:2

Eigentlich war die Saison gelaufen. Borussia hatte in den letzten Spielen, immer wenn die Möglichkeit bestand, an der Konkurrenz vorbeizuziehen, noch einige Punkte liegen lassen, so dass ein Erreichen der internationalen Plätze nur noch Theorie war. Und dass ausgerechnet die in dieser Saison stark aufspielenden Öllner uns heute den Gefallen tun würden, zu unseren Gunsten in ihrem Heimspiel zu schwächeln, glaubte kaum jemand. Was uns blieb, war ein Highlight zum Saisonabschluss: Die Sonderzugfahrt!

Schon seit langem war alles bestens durch die Sauerländer Fanclubs organisiert. Beim ersten Sonderzug vor drei Jahren war unser Fanclub noch recht spärlich vertreten. Aber diesmal hatte die Borussenfestung fast sechzig Leute am Start und einen der zehn Waggons fast für sich. Am Morgen bot sich am Siegener Bahnhof ein imposantes Bild. Nicht nur unser Fanclub wartete hier auf den Zug, sondern auch einige andere Gladbachfans aus der näheren Umgebung, die sich ebenfalls für die Zugfahrt angemeldet hatten. Extra für diese Fahrt hatten auch einige der älteren Siegerländer Fans ihre alten Kutten mal wieder aus dem Schrank gekramt. Mit etwas Verspätung, wie sollte es auch anders sein bei der deutschen Bahn, rollte der Zug endlich ein und wir nahmen unsere reservierten Abteile in Beschlag. Zuvor wurden auf dem Bahnsteig eine kleine Gruppe Öllner Fans, die auch mit der Bahn Richtung Debilenkaff fahren wollten, recht herzlich und lautstark begrüßt. Nein, nein, es geht ihnen gut. Aber ich denke, denen ging angesichts der schwarzweißgrünen Invasion auf dem Bahnsteig doch ziemlich der Stift und sie waren froh, als sie im Zug saßen.

Und schon konnte die Party losgehen. Erst im Abteil und dann im Sambawagen, wo sich der Großteil der Partywütigen versammelte. Bei frisch gezapftem Bier und Musik vom DJ ließ es sich aushalten. Ein Ohrwurm nach dem anderen sorgte für prächtige Stimmung. Der Zug tingelte jetzt durchs Sauerland und hielt zwischendurch mehrmals an, um weitere Borussenfans aufzusammeln. Nach dem letzten Halt in Hagen waren dann alle 680 Teilnehmer an Bord.

 

Viel zu schnell verging die Zeit bei der Fahrt. Und nicht nur im Sambawagen war Party. Auch in den Abteilen war die Stimmung gut. Dafür sorgten die mitgebrachten Absturzbeschleuniger aus Dosen und Plastikflaschen. Glasflaschen waren ja aus verständlichen Gründen nicht erlaubt. Mein selbstgemixter grüner Schleim erfreute sich großer Beliebtheit (Rezept auf Anfrage). Schon kurz vor der Ankunft in Mönchengladbach waren meine Vorräte erschöpft, wobei sich Frau Emm und ihre Freundin Hille sowie die Frauen im Simpson-Abteil sich am gierigsten zeigten. Trotz der Verspätung zu Beginn kamen wir pünktlich um halb eins in Gladbach an.

 

Schon auf dem Bahnsteig ging die Party weiter. Natürlich war wieder ein Dudelsackspieler am Start. Und der führte den Tross jetzt vom Bahnsteig zum Platz hinter dem Bahnhof, wo die Shuttlebusse in Richtung Stadion auf uns warteten.

Hier sammelten wir uns erst einmal und konnten endlich auch mal die Organisatoren des Sonderzugs begrüßen. Vielen Dank an Hoffi, Astrid, Löffel und die vielen anderen, die diesen Sonderzug ermöglicht haben! Besonderer Dank an den Dudelsackspieler, der immer wieder die Stimmung anheizte und scheinbar nie müde wurde!

 

Indess fiel Anja negativ auf, als sie einen Becher mit wertvollem sprudelndem Getränk fallen ließ. Das brachte mit eine erste Option für eine Überschrift für diesen Bericht, als der Satz fiel: "Anja, du Schussel, wie kannst du nur!" Letztendlich habe ich aber doch einen anderen Titel gefunden. Ich sagte ja neulich schon mal: Gebt den Frauen keinen Sekt! Anja, das üben wir noch. Aber alles halb so wild, Anja. Wir hatten schon Touren, bei denen reihenweise Glasflaschen zerdeppert wurden.

 

Mit dem Shuttlebus fuhren wir dann zum Borussiapark. Dort zerstreute sich die Menge der Sonderzugfahrer etwas. Einige wollten noch zum Fanhaus, einige in den Shop. Ich stattete dem Biergarten hinter der Nordkurve einen kurzen Besuch ab, bevor ich ins Stadion ging. Hinter dem Block trafen dann nach und nach wieder alle ein. Auch konnten wir jetzt die Sonderzugverweigerer der Borussenfestung begrüßen.

Der Borussiapark war natürlich ausverkauft. Aber immer noch hielten die Ultras an ihrem lächerlichen Stimmungsboykott fest. Was der Rest der Nordkurve heute an Stimmung erzeugte, war nur bedingt brauchbar. Zu viele kleine Stimmungsgrüppchen ohne Koordination sorgen eher nur für Gemurmel als für einen einheitlichen Support, der nur selten funktionierte. Da sollte bis zur neuen Saison Einigkeit erzielt werden. Offensichtlich ist hier ein Generationenkonflikt. Die jungen Leute kennen oft nicht die Lieder der älteren Generation und singen nicht mit. Und ohne den Zaunkönig, der die Vorgabe macht, singen sie auch nicht. Dazu kommt ein leider immer größer gewordener Anteil an Erfolgsfans, die sowieso nie das Maul aufkriegen. Nur, wenn es was zu meckern gibt, sind sie vernehmbar. Egal, wie schlecht es diese Saison gelaufen ist, hat die Mannschaft oder einzelne Spieler keine Pfiffe verdient. Diesen Meckerfans sei gesagt: Geht zu den Bayern! Die werden immer Meister und das Endergebnis ist auf der Eintrittskarte bereits aufgedruckt. Solche Leute brauchen wir in Gladbach nicht! Einzig positiver Aspekt des Ultra-Boykotts ist, dass man wegen der überschaubaren Anzahl an Großfahnen mal wieder mehr vom Spiel sehen kann.

Vor dem Spiel wurden noch die Spieler verabschiedet, die den Verein verlassen. Christensen kehrt nach der Leihe zurück nach Chelsea. Und Dahoud wünsche ich gutes Sitzfleisch auf der Bank in Dortmund. Schon wieder ein Wechsel, der viel zu früh kam.

Das Spiel war wie ein Spiegelbild der gesamten Saison. Zweimal wurde die Führung verspielt. Nach der torlosen und ereignisarmen ersten Halbzeit brachte Hazard die Borussia direkt nach Beginn der zweiten Hälfte in Führung. Weitere Chancen, die frühzeitige Entscheidung herbeizuführen, wurden vergeben. Und da war es nicht verwunderlich, dass Borussia in Slapstick-Manier den Ausgleich hinnehmen musste. Trotzdem machte Borussia weiter und ging nur zwei Minuten nach dem Ausgleich wieder durch Raffael in Führung, Und wieder dasselbe! Der Deckel wurde nicht draufgemacht. Und die tapfer kämpfenden Darmstädter, die schon vorher als Absteiger feststanden, schafften dann kurz vor dem Ende wieder den Ausgleich, der von ihrem zahlreichen Anhang im Gästeblock dementsprechend gefeiert wurde. Kommt bald wieder! Ihr seid mir lieber wie so Produkte wie Leipzig oder Hoppelheim.

Am Ende war es wohl ein gerechtes Unentschieden. Es gilt sowohl für dieses Spiel als auch für die gesamte Saison: Borussia hatte nicht mehr verdient. Der fahrlässige Umgang mit Chancen brachte uns heute nur ein Unentschieden und für diese Saison nur Platz neun. Schade. Diesmal reichte es nicht für den Europapokal. Aber vielleicht mal besser, ein Jahr ohne viele englische Wochen zu spielen. Dann können wieder Kräfte mobilisiert werden, die der Mannschaft zum Ende der Saison zunehmend gefehlt haben. Die Mannschaft wurde von der Nordkurve mit gedämpftem Applaus in die Sommerpause verabschiedet.

Für uns hieß es jetzt wieder, in den Partymodus umzuschalten. Der Sonderzug würde nicht auf uns warten und die Abfahrtzeit wurde uns über die Anzeigetafel übermittelt. Wie immer am Saisonende wurde sich von den anderen verabschiedet, die man jetzt bis zur neuen Saison nicht zu Gesicht bekommen würde. Hinter der Kurve versammelten wir uns zunächst, um dann gemeinsam zum Shuttlebus zu gehen, der uns wieder zum Bahnhof brachte.

 

Am Gladbacher Hauptbahnhof angekommen, suchten wir mit ein paar Leuten eine nahegelegene Pizzeria auf, die wir aus der Vergangenheit gut in Erinnerung hatten. Dort trafen wir auf den heute am meisten ignorierten Hinweis. Die spinnen, die Gladbacher!

Danach war es auch schon an der Zeit, wieder in den Zug zu gelangen, der dann auch pünktlich abfuhr. Die Rückfahrt lief ähnlich stimmungsvoll ab wie die Hinfahrt. Mit dem Unterschied, dass der Sambawagen jetzt absolut überfüllt war. Es war jetz gar nicht so einfach, sich bis zur Theke vorzuarbeiten. Und hatte man sich ein Bier erkämpft, war die Hälfte davon bis zum Ausgang garantiert verschüttet. Also zog ich es vor, dem Gedränge zu entgehen und blieb wie einige andere die meiste Zeit im Abteil. Aber auch hier lief ja die Musik vom DJ. Party war überall im Zug.

Die Rückfahrt führte ohne Zwischenstopp über die Öllner Strecke. Schon nach zwei Stunden waren wir wieder in Siegen und wir verabschiedeten uns als erstes aus dem Zug, der dann wieder durchs Sauerland weiterfahren sollte. Es war mal wieder eine perfekt organisierte Tour, die nach Wiederholung schreit. Nochmal vielen Dank an die Organisatoren!

Es war eine fast perfekte Tour. Das Spielergebnis passte nicht. Und gegen Ende der Fahrt stellte sich heraus, dass einige wenige den Alkohol nicht vertragen. Es kann nicht sein, dass sich Mitglieder befreundeter Fanclubs sich im vollen Kopf in die Haare kriegen! Lasst euch den Alkohol aus dem Hals, wenn ihr ihn nicht vertragt! Oder bleibt am besten beim nächsten Mal zuhause. Ansonsten war es schön, mal wieder mit den Sauerländern auf Tour gewesen zu sein. Bis zur nächsten Saison. Ich habe fertig!