Mieses Wetter, mieses Spiel

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Bundesliga, 21. Spieltag: Hamburch - Borussia 3:2

Mal wieder stand die Auswärtstour an die Elbe an. Schon früh hatten wir die Reise mit der Bahn und das Hotel gebucht. Und schon wieder bescherte uns die DFL die Spielansetzung am Sonntag. Das würde vor der Rückreise stressig werden. Aber wir hatten alles gut durchgeplant und es würde schon passen. Diesmal waren wir im Gegensatz zu den Vorjahren eine eher überschaubare Gruppe, die sich auf den Weg nach Hamburg machte. Am Samstagmorgen in aller Frühe trafen wir uns am Siegener Bahnhof. Am Start waren Tanja und Jörg, Omi und Bachelor sowie Osram und ich. Zunächst fuhren wir nach Gießen, um dort in den direkten IC nach Hamburg umzusteigen.

Aber wozu macht die Deutsche Bahn Fahrpläne? Sie wirft ja doch wieder alles über den Haufen. Der IC fuhr heute statt bis Hamburg nur bis Hannover, so dass wir wieder umplanen mussten. So stiegen wir in Kassel wieder aus, um von dort aus per ICE direkt bis Hamburg weiterzufahren. Inclusive Umbucherei und neuer Platzreservierung in Kassel bei schlecht gelauntem Bahnpersonal. Was wollte die Schrulle eigentlich von uns? Haben wir den Fahrplan geändert oder die Bahn? Letztendlich hat aber alles so gerade eben hingehauen und wir würden etwas später als vorher geplant in Hamburg eintreffen.

Unverhofft hatten wir jetzt durch die Umbucherei ein Sechserabteil für uns und wir hatten unsere Ruhe. Gegen die Langeweile war vorgesorgt. Osrams Kartenspiel fand jetzt Verwendung, wobei sich schnell herausstellte, dass Osram heute eine besondere Taktik parat hatte. Die dreifache Sieben auf der Hand wird deshalb ab sofort nur noch dreifacher Osram genannt. Omi nahm bei mir einen Kredit auf, um mitspielen zu können. Später sollte ich ihn zurückbekommen. In Centstücken... :-(

Kurz vor Mittag trafen wir dann in Hamburgs Hauptbahnhof ein. Zunächst sicherten wir uns ein Schließfach für das nicht benötigte Gepäck. Und dann machten wir uns mit der U-Bahn auf den Weg zu unserem Hotel "66", dass unweit von der Reeperbahn gelegen war. Leider waren die Zimmer noch nicht bezugsfertig. Also wurde nur das Gepäck deponiert und wir starteten zu einer Erkundungsrunde. Das Stadion Millerntor war nicht weit. Und der dortige Fanshop vom FC St. Pauli weckte unser Interesse. Für mich gab es einen Pin für die Kutte. Bachelor war sehr mutig und kaufte sich einen Schal. Ob das klug war, so was zu tragen, wenn wir morgen zum HSV gehen?

Zwischendurch bot sich uns ein Blick auf ein Gelände unweit des Millerntors, dass den Hamburgfahrern der letzten Jahre, insbesondere unserem Präsi, bestens bekannt sein dürfte. :-)

 

Wir hatten immer noch Zeit, bis wir ins Hotel konnten. Und Durst hatten wir auch. Also wohin sonst als zur Reeperbahn? Viele Kneipen hatten zwar jetzt am frühen Nachmittag noch geschlossen, aber wir wurden trotzdem fündig. In der Friedrichstraße lud die Fußballkneipe "Osborne" zum Einkehren ein. Ausgestattet war sie mit einigen Bildschirmen und Leinwänden, so dass man von jedem Platz aus Fußball gucken konnte. Und die Dekoration war genial. Hunderte von Schals und Trikots aller möglicher Vereine zierten die Decke und die Wände. Und Omi stiftete einen unserer Festungsschals, der nun auch diese Kneipe ziert.

Ein paar Bier später war es an der Zeit, unser Hotel aufzusuchen und einzuchecken. Und wenn wir schon mal da waren, nahmen wir uns ein Stündchen Auszeit. Der Schlaf war ja in der vergangenen Nacht zu kurz gekommen. Zu einer vereinbarten Zeit trafen wir uns aber wieder am Hoteleingang, um wieder Richtung Reeperbahn loszuziehen. Jetzt, am späten Nachmittag, war es vielleicht noch einfacher, für uns einen Tisch in einem Restaurant zu finden. Erfahrungsgemäß wird es gegen Abend wegen dem Andrang ja immer schwieriger.

Und wir hatten Glück. Im Restaurant "Herzblut" fragten wir nach. Und nachdem der Kellner an seinem Computer nachgeschaut hatte, verkündete er: "Für euch habe ich was geiles!" Und er hatte nicht zu viel versprochen, denn wir bekamen die sogenannte "Smirnoff-Lounge", einen runden Tisch mit weich gepolsterter Büffellederbank drumherum in einem etwas abgetrennten Bereich. Der beste Platz des Lokals! Die anderen Gäste beäugten uns neidisch wegen unseres exclusiven Tischs, den man normalerweise nur mit Reservierung bekommt. Aber es war nur reiner Zufall und das Glück, zum richtigen Zeitpunkt dagewesen zu sein.

Und der Laden hatte was. Auch hier konnten wir Fußball gucken. Die Samstagsspiele der Bundesliga liefen gerade in der Schlußphase. Und obwohl der Laden voll war, hatte das Personal alles recht gut im Griff. Niemand musste lange auf irgendwas warten. Und das Essen war einfach nur schweinelecker und jeden Cent wert. Das Bier sowieso. Diese Adresse müssen wir uns merken.

Nach dem Essen kehrten wir wieder ins "Osborne" zurück, wo wir noch einige Zeit blieben. Diese Kneipe wurde jetzt zur neuen Stammkneipe der Borussenfestung für Hamburg-Besuche ernannt. Mehr und mehr Gladbacher trafen jetzt hier ein, darunter auch Huschke, der herzlich begrüßt wurde. Und auch weitere Festungsmitglieder, nämlich Blase, Hille und Tim, fanden den Weg hierhin. Jetzt lief das Bier gut und es ließ sich gut aushalten. Jörg und Tanja zogen dann weiter ins nahegelegene "Café Journal", während der Rest der Festung noch etwas hier blieb. Bachelor musste doch noch am Kickertisch sein Können beweisen.

Gegenüber vom "Osborne" ist das "Friedrichs", wo wir in den Vorjahren schon eingekehrt waren und die Geschichten vom Bachelor und vom Stangen-Ali ihren Anfang nahmen. Diesmal wollten wir aber mal was Neues kennenlernen und folgten den anderen ins "Café Journal". Jörg und Tanja waren aber bereits schon wieder verschwunden. Wo waren die denn abgeblieben? Auch egal. Mit den verbliebenen konnten wir hier ein leckeres Altbier genießen, was es in Hamburg nur hier gibt.

Jetzt zerstreute sich der Haufen etwas. Omi und Osram verabschiedeten sich in Richtung Hotel, während ich mit den restlichen Leuten noch die Kultkneipe "Ritze" aufsuchte, um dort noch den einen oder anderen Absacker zu inhalieren. Hier gab es bayrisches Bier. Ob sich die vielen verschiedenen Sorten gut vertragen würden?

Dann war es auch für mich an der Zeit, ins Hotel zu gehen. Der Tag hatte ganz schön geschlaucht und jetzt brauchte ich nur noch eins: Schlafen!

Am Sonntagmorgen wurde erstmal ausgiebig am reichhaltigen Buffet gefrühstückt. Dann machten wir uns fertig für den Stadionbesuch. Nach dem Auschecken aus dem Hotel fuhren wir zunächst zum Hauptbahnhof, um im unser Gepäck im Schließfach zu deponieren. Gut, dass wir uns schon gestern eins gesichert hatten. Denn jetzt waren so ziemlich alle Schließfächer belegt. Da wir noch etwas Zeit hatten, fuhren wir dann mit der S-Bahn zu den Landungsbrücken. Beim Verlassen der Bahnstation unterlief dann Bachelor das Missgeschick des Tages: Er ließ seinen frisch erworbenen St. Pauli-Schal ins Gleisbett fallen. Jörg McGyver erwies sich als Schal-Retter. Mit einer selbstgebauten Angel aus Teilen seines Schlüsselbunds und weiteren, hier geheimgehaltenen Gegenständen holte er den Schal wieder in Reichweite, bevor die nächste Bahn ihn zerstören konnte.

Wegen des echt miesen Wetters verzichteten wir diesmal auf eine Hafenrundfahrt. Nur den Souvenierläden statteten wir einen Besuch ab. Auch für ein Konterbier war noch Zeit. Und wer lief uns dann scheinbar unvermeidlich über den Weg? Mattes und Sohn aus Attendorn! Egal, wo wir auch hinfahren, der Mattes ist auch immer da.

Von den Landungsbrücken aus ging es dann per S-Bahn nach Stellingen, um von da aus per Shuttlebus zum Stadion zu fahren.

Das Wetter war heute wie schon erwähnt ziemlich mies. Hamburger Schmuddelwetter mit Regen und tiefen Wolken. Das hinderte uns aber nicht daran, dem Biergarten in der Nähe des Gästeblocks einen Besuch abzustatten. Nach und nach fanden sich dort einige bekannte Gesichter der Gladbacher Allesfahrerszene ein. Zum Glück hatten wir ein relativ trockenes Plätzchen unterm Bierrondell ergattert und konnten noch das eine oder andere Bierchen und was zu Futtern vom Grill genießen. Irgendwann war es aber an der Zeit, zum Stadion zu gehen.

Trotz des Spieltermins am Sonntag war der Gästeblock gut gefüllt. Die Stimmung war so naja. Das hat schon mal besser geklappt. Vielleicht lag es ja auch am Wetter. Immer wieder stimmungsvoll in Hamburg ist vor Spielbeginn das Intro vom Lotto King Karl: "Hamburg, meine Perle". Das wird ja keiner bestreiten, dass Hamburg eine schöne Stadt ist. Wenn da der Fußballverein noch mitziehen würde...

Das Spiel, hmmm..., begann für Borussia recht gut. Schnell waren die ersten Chancen herausgespielt. Und schnell ging Borussia durch Johnson nach einem Konter in Führung. Nach zwanzig MInuten lief es bestens. Verdiente Führung, das Spiel fest im Griff. Das 2:0 war nur eine Frage der Zeit. Und dann? Hatte da jemand den Schalter umgelegt? Hatten unsere Spieler in die Hinterlassenschaften des Taubenschwarms getreten, der vor dem Spiel noch den Rasen bevölkert hatte? Auf jeden Fall lief von einem Moment zum nächsten nichts mehr zusammen und unser Gegner wurde stark gemacht.

Kurios fiel der Ausgleich. Borussia bekam nach einer Ecke den Ball nicht weg. Und dummerweise lenkte Hinteregger bei seinem Abwehrversuch den Ball ins eigene Tor. Und nur wenige Minuten später wurde Borussia ausgekontert. Ein Abschlag vom Torwart rutschte durch und Sommer war gegen den platzierten Flachschuss chancenlos. Mit dem knappen Rückstand ging es in die Pause.

In der zweiten Hälfte probierte Borussia es noch mal. Aber es waren zu viele Fehler im Spielaufbau, so dass unsere Stürmer kaum mal in Stadionnähe kamen. Die größte Chance hatte Hazard, der mit seinem Drehschuss das Tor knapp verfehlte. In der 80. Minute machten die Hamburger es besser, als sie per Kopfball zum entscheidenden 3:1 trafen.

Die Entscheidung war wohl gefallen. Angesichts des Spielstands und der noch anstehenden stressigen Rückfahrt zum Hauptbahnhof, wo eineinhalb Stunden später unser Zug abfahren würde, entschieden wir uns, den Ort des Geschehens zu verlassen und uns Richtung Shuttlebushaltestelle zu bewegen. So verpassten wir noch Raffaels Anschlusstreffer zum 3:2 und die Ausgleichschance von Hrgota, nicht aber die Ooohs und Aaahs im Stadion als Reaktion darauf. Beim Abpfiff saßen wir schon fast im Bus. Das mache ich auch nicht nochmal. Ist überhaupt nicht mein Ding, vor dem Abpfiff abzuhauen. Angesichts des miesen Spiels bei miesem Wetter aber diesmal zu verschmerzen. Borussia hatte ein sicher geführtes Spiel aus der Hand gegeben und verdient verloren.

Immerhin erreichten wir rechtzeitig den Hauptbahnhof und hatten sogar noch Zeit, uns etwas Warmes zu Essen zu kaufen. Für die Zugfahrt hatte ich mir erhofft, etwas vorzuschlafen zu können. Die kommende Nacht würde sehr kurz. Aber daraus wurde nicht, weil wir wohl den Partywagen erwischt hatten. Nicht nur wir, sondern zahlreiche weitere Gladbachfans waren an Bord, die lautstark den Frust über die Niederlage runterspülten. Und gesungen wurde natürlich auch. So gehört sich das!

In Ölln hatten wir noch eine halbe Stunde Aufenthalt, bevor wir Richtung Siegen weiterfuhren. Um ein Uhr in der Nacht waren wir wieder daheim. Es war eine etwas andere Hamburg-Tour mit neuer Besetzung und dem Kennenlernen neuer Kneipen. Und wer von der Borussenfestung in Zukunft nach Hamburg fährt, sollte mal im "Osborne" vorbeischauen. Das ist unsere neue Stammkneipe.