Mehr war heute nicht drin

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Bundesliga, 25. Spieltag: Borussia - Bazies Lynchen 0:1

Und schon wieder war die Borussenfestung mit dem Bus unterwegs. Drei Tage nach dem frustrierenden Ausscheiden aus der Europaleague hatte Borussia mit den Bazies nicht gerade einen Aufbaugegner zu Gast. Sonderlich viel Optimismus war nicht zu verspüren, mit unserer stark ersatzgeschwächten Mannschaft gegen ausgeruhte Bazies irgendetwas zählbares zu holen.

Der Stimmung im Bus schadete das nicht. Von Beginn an wurde kräftig geträllert. Und die Bazie-Geiseln an Bord bekamen mal vor Augen geführt, wie Gladbach-Fans feiern können. Die können das nämlich auch, wenn man nicht auf Platz eins der Liga steht. Nur Ali, der sein Mikrofonverbot mal kurz ignorierte, konnte immer noch nicht richtig singen. Alles muß man selber machen...

 

Nach den obligatorischen Pausen in Aggertal und Frechen trafen wir frühzeitig auf dem Parkplatz am Borussiapark ein. Es war noch Zeit, das eine oder andere Bierchen zu genießen oder sich an Omis Buffet zu laben. Und es war Zeit zum diskutieren. Würde es heute für einen Sieg für die Borussia reichen? Etwas Galgenhumor war schon dabei. Auf ein Siegtor von Drmic würde es hohe Quoten geben...

Im Stadion angekommen begrüßten wir den Rest der Borussenfestung, die nicht mit dem Bus gefahren waren. Wir stellten zum wiederholten male fest: "Immer die selben Fressen!"

Die Stimmung im ausverkauften Stadion war schon mal besser. Die Ultras befinden sich derzeit in einer Selbsfindungskrise. Da werden immer die selben Singsangs angestimmt, die nur selten einen Bezug zum Spielgeschehen haben. Ein Manolo würde sich im Grab umdrehen, könnte er das hören. Und heute fiel mal wieder auf, dass doch viele unbekannte Gesichter im Fanblock rumspukten und das Maul nicht aufbekamen. Wo haben die nur immer ihre Karten her? Auch vom prall gefüllten Gästeblock war nicht viel zu hören. Aber die Bazies waren noch nie für überragende Stimmung bekannt.

Das Spiel begann gut für Borussia. Etwas seltenes geschah: Jantschke im Fünfmeterraum! Nach einer Ecke wurde sein Schussversuch leider abgeblockt. Und weiter war Borussia zunächst gefährlicher. Nur verpasste Hofmann bei einem vielversprechenden Konter das entscheidende Abspiel. Nur langsam zeigte sich jetzt die zunehmende Dominanz der Bazies. Die erste Chance vereitelte Sommer nach einem Ballverlust von Jantschke. Und jetzt war Sommer mehrfach gefordert. So auch kurz vor der Pause, als der holländische Schwalbenkönig zunächst den Pfosten traf und Sommer den folgenden Kopfball der polnischen Tormaschine mit einer Glanzparade abwehren konnte. So ging es mit dem torlosen Unentschieden in die Pause.

In der zweiten Halbzeit wurden die Bazies immer dominanter, ohne die ganz dicken Torchancen zu haben. Meistens gelang Borussias Rumpfelf, die Angreifer vom Tor fernzuhalten. Und hatte selbst die Chance, in Führung zu gehen. Raffael verfehlte das Tor bei einem Konter in der 62. Spielminute nur knapp. Leider machten es die Bazies nur eine Minute später besser. Der Mann ohne Waden wurde freigespielt und nutzte seine Freiheit zum 0:1. So ein Sch...! Jetzt würde es schwer werden.

Zumal sich in der Nordkurve jetzt seltsame Dinge abspielten. Ein Großteil der Ultras hingen die Fahnen ab und verließen die Nordkurve. Unbestätigte Meldungen sickerten erst später durch. Einbruch der Öllner Ultras in den Fahnenraum? Schlägerei vorm Eingang? Überfall auf eine Ultra-Kneipe in der Nähe? In Zeiten von Fake-News wusste keiner so richtig, was los war. Fakt war nur, dass die Ultras ihre Mannschaft beim Spielstand von 0:1 einfach mal so im Stich gelassen haben, statt sie anzufeuern. Die eigene Selbstdarstellung war ihnen wohl wichtiger.

Die Bazies taten jetzt nicht mehr wie nötig, diesen knappen Vorsprung zu verteidigen. Und unseren Angreifern fehlte heute der entscheidende Zug zum Tor. Die verletzten Spieler wurden jetzt schmerzlich vermisst. Herrmann und Hahn sind seit Wochen außer Form. Und der eingewechselte Drmic? Ja, einen Schussversuch hatte er, der geblockt wurde. Und den Nachschuss konnte Raffael auch nicht verwerten. In der Nachspielzeit köpfte Strobl eine Freistoßflanke von Raffael knapp über das Tor. Das war's.

Die Niederlage war letztendlich knapp, aber verdient. Kämpferisch war der Mannschaft kein Vorwurf zu machen. Nur war heute die Qualität der verbliebenen Spieler nicht ausreichend, um die übermächtigen Bazies in Gefahr zu bringen. Zum Glück ist jetzt Länderspielpause. Zeit zur Erholung. Und danach gilt es wieder anzugreifen, wenn die Verletztenliste hoffentlich kleiner geworden ist.

 

Die Nordkurve honorierte die kämpferische Leistung mit fairem Applaus. Oder besser gesagt, der Rest davon. Bei Abpfiff verließ nämlich auch der Rest der Ultras fast fluchtartig den Block, noch bevor die Mannschaft zur Nordkurve kam. Das hat die Mannschaft nicht verdient! Heute war einfach nicht mehr drin gegen den bayrischen Dauermeister. Borussia hat sich heute gut verkauft.

Die Stimmung bei der Borussenfestung war trotz der Niederlage recht gut. Zunächst hinter dem Block und später am Bus wurde kräftigst gesungen. Das liebe ich an Borussia. Gefeiert wird immer. Heute war punktemäßig nicht mehr drin. Aber wer will uns denn die Laune vermiesen? Die Heimfahrt war auf jeden Fall eine lautstarke Angelegenheit. Wie wäre es erst gewesen, hätten wir heute gewonnen? Wahrscheinlich wäre der Bus auseinandergefallen. Busfahrer Achim war heute auch Inhalt der Gesangeskünste. Aber er ertrug die spontanen Gesänge mit Anstand. Was blieb ihm auch anderes übrig?

 

Fazit dieser Tour: Trotz der Niederlage war es wegen der sensationellen Stimmung im Bus eine der besten Touren seit langem. Die jüngere Generation traut sich, auch was die Gesänge angeht, immer mehr heraus. Weiter so! Ich freue mich schon jetzt auf die nächsten Bustouren. Ich sage nur: Schwarzweißgründonnerstag!