Grünkohl mit Diät-Sahne

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Bundesliga, 20. Spieltag: Wärter Bremen - Borussia 0:1

Endlich stand mal wieder eine mehrtägige Auswärtstour auf dem Programm. Es lohnt sich immer, ein ganzes Wochenende in Bremen zu verbringen. Am Freitagmorgen waren bereits Becker60 mit Frau sowie Mr. und Mrs. Scratch mit dem Auto losgefahren. Ich folgte dann kurz nach Mittag mit der Bahn. Zunächst fuhr ich nach Hagen. Dort traf ich dann im etwas verspäteten Intercity Mr. und Mrs. Simpson, die mit der Bahn bereits eine Runde durch die verbotene Stadt mit K gedreht hatten. Zusammen legten wir den Rest der Strecke bis Bremen zurück. Etwa um sechs Uhr am Abend trafen wir dann ins unserem Hotel unweit des Bremer Hauptbahnhofs ein. Nach dem Einchecken machten wir uns erst mal etwas frisch. Und dann machten wir uns auf den Weg in die Stadt, um dort die anderen zu treffen, die schon seit der Mittagszeit Bremens Altstadt unsicher gemacht hatten.

In der Privatbrauerei Schüttinger hatten Mr. Scratch bereits vor Wochen einen Tisch für uns reserviert. Vor zwei Jahren hatten wir dort keinen Platz bekommen. Endlich kamen wir in den Genuss der Bierspezialitäten. Und auch das Essen konnte sich nicht nur sehen lassen. Es schmeckte auch noch sehr lecker. Vielseitig war das Angebot verschiedener Fleisch- und Fischgerichte. Becker60 hatte für sich das Gericht des Abends bestellt: Grünkohl mit Diät-Sahne! Oder war das Spinat? Ne, es war wirklich Grünkohl.

Jaja, das Philosophieren über die regionale Küche hier brachte doch so manche Anektdote zutage. Aber es war wirklich lecker. Irgendwann im Laufe des Abends traf dann auch noch Frau M. aus W. ein, die erst am späten Nachmittag nach Feierabend losgefahren war. Endlich war unsere Runde komplett. Und sie war außergewöhnlich, denn diese Zusammenstellung hatten wir noch nicht. Zudem fiel auf, dass der Vorstand diesmal nur spärlich vertreten war. Vor allem der Präsi und sein Weib wurden vermisst.

Irgendwann später am Abend machten wir uns zu Fuß auf den Weg zurück zum Hotel. Der Weg führte durch die stimmungsvoll beleuchtete Altstadt und durch den Park. Dort wurde ein Mordkomplott geschlossen. Weil meine Lauscher ständig auf Empfang waren, was das Sagen des bösen Worts mit "K" anging, wollten mich Teile der Gruppe im zugefrorenen Teich des Parks entsorgen. Nur knapp und mit viel Glück entging ich diesem Anschlag. Eindeutiger Sieger des Wochenendes im Wettbewerb "Sag das böse Wort" wurde übrigens Familie Scratch mit insgesamt sechs Nennungen. Weit abgeschlagen dahinter mit einer Nennung landete Frau M.

Im Hotel angekommen, beschlossen wir, uns noch einen Absacker an der Hotelbar zu genehmigen. Mrs. Scratch`s Antwort auf die  Frage der gutgelaunten Bedienung nach einer Bestellung war "Danke, nichts!" Und das bekam sie auch dann serviert: Ein wundervoll dekoriertes Glas Leitungswasser! Ob sonst noch was drin war, ist mir nicht bekannt. Die Bemerkung der etwas kräftiger gewachsenen Bedienung dazu war: "Bei uns bekommt jeder, was er bestellt. Und wenn es nichts ist!"

 

Nach dem amüsanten Absacker ging es dann ziemlich schnell in die Koje. Der kommende Tag würde lang werden.

Der Samstagmorgen begann beim Blick aus dem Hotelfenster mit einer Überraschung. Es hatte geschneit. Das bedeutete für uns: Warm einpacken! Nach dem reichhaltigen Frühstück spazierten wir wieder in die Altstadt. Etwas Kultur war angesagt. Der eine oder andere hatte einen Kommentar dazu. Unser Kulturbeauftragter Hotte war leider nicht dabei. Er hätte bestimmt seine helle Freude daran gehabt. Wusstet ihr, dass die dargestellten Reiter, deren Pferde einen Huf gehoben haben, im Krieg gefallen sind? Für die Reiter, deren Pferde mit allen Hufen auf dem Boden stehen, gilt das nicht. Man lernt nie aus! Auch den Bremer Stadtmusikanten wurde der obligatorische Besuch abgestattet.

Auch unser Präsi war irgendwie allgegenwärtig...

Für den Abend mussten wir zuerst noch einen Platz für uns in einem Restaurant klar machen. Nach kurzer Suche wurden wir im "Paulaner" fündig. War gar nicht so einfach, für acht, nee, neun Leute einen Tisch zu finden. Ein Kumpel von Frau M. hatte sich ja auch noch angekündigt. Bis zum Spiel war noch Zeit. Also kehrten wir noch in einem anderen großen Lokal am Weserufer ein, wo sich schon andere Gladbachfans aufhielten. Highlight war hier der klägliche Versuch von Frau M., ein Bild (das von den Stadtmusikanten) in Whatsapp hochzuladen. Unter viel Beifall gelang es ihr nach einigen Fehlversuchen dann endlich doch. ;-)

Irgendwann traf dann der Kumpel von Frau M. ein und wir konnten in Richtung Stadion aufbrechen. Der Weg führte immer an der Weser entlang, vorbei an mehr oder weniger bekannten Schiffen. Erstaunt stellten wir fest, dass die "Alexander von Humboldt" derzeit hier vor Anker liegt. Dieser uralte Windjammer ist auch bekannt aus der Werbung für eine lokale Biermarke.

Auf halbem Wege trennte sich unsere Gruppe. Ein Teil der Leute wollte noch etwas in der Altstadt verweilen und dann mit dem Schiff zum Stadion schippern. Der Rest, mich eingeschlossen, ging weiter zum Stadion. Wir waren noch früh dran. Dafür gibt es vor dem Anpfiff eigentlich nur einen Ort zum Verweilen: Den Taubenschlag und die Straße davor. Weil die anderen nicht wollten, ging ich alleine dahin. Natürlich tummelte sich da alles, was in der Fanszene Rang und Namen hat. Und ich musste auch nicht lange suchen, um die restlichen Leute der Borussenfestung zu finden, die erst heute nach Bremen gekommen waren.

Der Taubenschlag war wie so oft wegen Überfüllung geschlossen, so dass wir um den Genuss eines "Gehängten" herumkamen. Heute musste ein frisch gezapftes Bier von der Zapftheke genügen. Gemeinsam gingen wir dann in Richtung Stadion. Nach der gründlichen Einlasskontrolle gingen wir in den Steh-Gästeblock, wo wir Frau M. und ihren Kumpel (Name habe ich vergessen) wieder trafen. Die anderen hatten ja Sitzplatzkarten. Die würden wir erst nach Spielende wiedersehen. Mal noch war es früh genug, um uns einen Platz mit guter Sicht zu suchen. Den fanden wir recht weit oben an der Seite des Oberrangs. An anderen Stellen behindern Pfeiler und Zäune die Sicht auf das Spielfeld doch erheblich. Und wer zu spät kommt, guckt vor den Zaun.

Schnell füllte sich der Gästeblock. Das Spiel war ausverkauft. Trotzdem hielt sich das Gedränge hier an der Seite in Grenzen. Wie immer in einem offenen Stehblock versuchen die meisten Leute, in der Mitte einen Platz zu finden. Da hatten wir diesmal mit unserem Platz die richtige Wahl getroffen. Die Fahnen der Ultras störten diesmal nicht, weil sie nicht im Blickfeld waren.

Das Spiel begann für die Borussia sehr gut. Schon früh wurden die Weichen auf Sieg gestellt. In der 12. Minute schickte Kramer mit einem genialen Pass Hazard am rechten Flügel auf die Reise. Der nutzte seinen Raum und versenkte den Ball überlegt in der langen Ecke zum 0:1. Borussia schien jetzt das Spiel im Griff zu haben. Doch die Bremer wehrten sich. Plötzlich stand ein Angreifer frei vor Sommer, der den Schuss jedoch gut abwehrte und auch den abgeprallten Ball schließlich festhalten konnte. In der Folge hatte Borussia dann wieder mehrfach die Möglichkeit, zu erhöhen. Herrmann versuchte es per Lupfer und kam nicht am Torwart vorbei. Hahn zielte nach einer Flanke von Herrmann über das Tor. Von den Bremern kam nicht viel. Ein paar Distanzschüsse sorgten nicht für wirkliche Gefahr. Die knappe Führung zur Pause war verdient.

In der zweiten Hälfte erhöhten die Gastgeber den Druck, ohne wirklich gefährlich zu werden. Yann Sommer hatte einen guten Tag erwischt. Zumeist wurden die Bremer Angriffsversuche aber vorher geblockt. Und wenn wirklich mal was durchkam, war Sommer zur Stelle. Bei den nur noch gelegenlichen Kontern war Borussia aber stets gefährlich, versäumte es aber, das Spiel vorzeitig zu entscheiden. So blieb es bis zur letzten Minute spannend. Einen Kopfball musste Sommer noch fangen. Und ein weiterer Kopfball ging über das Tor. Dann war das Spiel vorbei und der dritte Sieg in Folge geschafft. Sehr zur Freude der mitgereisten Fans, welche die Mannschaft vor dem Gästeblock feierten.

Am Ausgang trafen wir dann den Rest der Borussenfestung wieder. Wir waren uns einig. Der Ausflug nach Bremen hatte sich gelohnt. Doch was würde der Abend noch bringen? Wir verabschiedeten uns von denen, die sofort wieder nach Hause wollten und wir machten uns, mittlerweile etwas durchgefroren, wieder auf den Weg, die Weser entlang, Richtung Innenstadt.

Wegen der Kälte zogen Frau M., ihr Kumpel und ich es vor, zunächst zum Hotel zu gehen und uns dort etwas aufzuwärmen. Dadurch entging uns die Nachtwächter-Führung, die Mr. Simpson organisiert hatte. Ich bitte hierzu um Kommentare und Fotos. Zum vereinbarten Zeitpunkt trafen wir uns dann am Abend wieder im "Paulaner" an der Schlachte am Weserufer, um den Abend zu verbringen. Wieder wurde zum Bier prächtig aufgetischt. Schon wieder hatte Becker60 mit seinem Gericht mächtig zu kämpfen. Diesmal war es kein Grünkohl mit Diät-Sahne, sondern eine Haxe größeren Kalibers. Doch wie bekommt man die knusprige Schwarte auf? Fast wäre Becker60 verhungert. Nach mehreren Versuchen mit mehreren Messern gelang es ihm aber endlich, an das leckere Fleisch zu gelangen. Auch die anderen Gerichte ließen keinen Wunsch offen.

Nach dem reichhaltigen Essen und einer weiteren Runde Bier zogen sich die älternen Herrschaften der Borussenfestung in Richtung Hotel zurück. Übrig blieben Frau M., ihr Kumpel und ich. Wer dann die Idee mit dem Bailleys? Am besten wäre gewesen, wir hätten direkt eine ganze Flasche bestellt. Auf jeden Fall tat er seine Wirkung, als sich bei Frau M. leichte Irritationen bei der deutschen Sprache zeigten. So entstand ihr Spruch des Abends: "Wie alt war ich mit acht?" Nach ausgiebigem Aufwärmen von längst vergangenen Erlebnissen aus dreißig Jahren des Daseins als Gladbachfans war es auch für uns an der Zeit, zum Hotel zurückzugehen. Nach einem erneuten Absackerbierchen in der Hotelbar war auch dieser Abend zu Ende.

Die Rückreise am Sonntag verlief ohne besondere Zwischenfälle. Es war mal wieder eine lohnenswerte Auswärtstour, bei der die Borussia einen Sieg einfahren konnte und bei der die Borussenfestung in einer ungewohnten, aber nicht schlechteren Konstellation vertreten war. In wenigen Wochen geht es nach Hamburg. Da können wir da weitermachen, wo wir in Bremen aufgehört haben.

 

Fahne

Das ist ja nett, dass ihr euch mit der Gladbach-Fahne ablichtet.

Aber wenn jemand auf die Idee gekommen wäre, eines unserer Banner mitzunehmen, hätte ich das viel besser gefunden!