Geburtstagstorte und ein blauer Baum

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30. Spieltag: Borussia - VfB Stuttgart 1:1

Wir waren heute zu fünft in Michaels weißen Opel, Dino, Osram, mein Frauchen und ich. Auf der Wilhelmshöhe trafen wir uns, und zügig ging es bis Aggertal, wo Dino schon verzweifelt seinen obligatorischen Zwischenstopp eingeforderte. Wir trafen dort die Milden Hellertaler und auch sonst sehr viel schwarz-weiß-grünes Volk und räkelten uns bei einer Tasse Kaffee in der Sonne.

Sehr flott ging es ohne weitere Pause weiter, die Debilenmetropole südlich umfahrend, Richtung Hauptstadt des Rheinischen Fußballs. Und diesmal durften wir höchstpersönlich Michaels Geheimtipp in Sachen Parken miterleben, und zwar an der Zonengrenze beim Pferdemetzger. Ja die Zonengrenze scheint wirklich noch original zu sein, mit zweitem Zaun und Kolonnenweg, wie damals -  herrlich, die Älteren werden sich noch mit Tränen in den Augen erinnern...

Uns stand noch ein recht langer Fußmarsch bevor, auch durch ein kleines Wohngebiet, aber was soll's? Bei frühlingshaften Temperaturen machte uns das nichts aus - im Gegenteil: die Stimmung war entspannt und ein jeder war optimistisch, dass die Borussia die drei Punkte im heimischen Park würde behalten können, zumal die Gäste aus der Schwabenmetropole in letzter Zeit weniger überzeugen konnten.

Sehr früh checkten wir im Park ein, Osram und ich hängten gleich das Banner am Oberrang auf, es war noch gut Platz vorhanden. Wir hielten uns auch gar nicht lange hinter der Nordkurve auf, sondern suchten gleich unseren Platz im Block, wo Yve mit Sascha und Melissa schon - wie immer - am Wellenbrecher auf uns warteten. Die Jugend des VfL spilete gerade das letzte Gruppenspiel des Santander-Cups gegen den FC Valencia aus, und anders als sonst dominierte das Gästeteam, was auch tatsächlich mit einem späten Tor das Spiel für sich entscheiden konnte.

Das Spiel war jedoch Nebensache. Nun kennen Christine und ich ja Yve schon fast zehn Jahre, solange stehen wir schon gemeinsam am Wellenbrecher, und seit diesen zehn Jahren hatte sie regelmäßig zur Halbzeitpause diverse Leckereien ausgeteilt, Gummibärchen, Schokoriegel, usw., sogar selbst gebackene Donuts hatte sie vor zwei Wochen verteilt. Doch heute hatte sie den Knaller schlechthin mitgebracht. Yve hatte in der Woche ihren Geburtstag gefeiert, zu dem ich an dieser Stelle nochmals herzlich gratulieren und ihr alles Gute und vor allem Gesundheit und Zufriedenheit wünschen will.

Vorsichtig nahm sie ein mit Alufolie gepacktes Etwas in die Hände und beschattete dieses mit ihrem Körper ("Sonne sei schlecht, sonst läuft es weg..."). Als sie das Ding öffnete, guckte ich voller Überraschung auf eine Käse-Sahne-Torte mit Mandarinen, selbst gebacken und schon vorgeschnitten. Sie verteilte sodenn Pappteller, Plastikgabeln und öffnete sogleich ein frisch aus dem Fanshop erstandenes Besteckset im VfL-Design. Unfassbar, diese Frau!!! Käse-Sahne-Torte in der Nordkurve!!! Manche junge Zeitgenossen schielten etwas verstört zu uns rüber, als Osram und Michael kamen, bekamen sie auch noch ein Stück. - Sagenhaft,Yvonne, da haste dich wirklich selbst übertroffen. Und die Torte war wirklich sehr geil. Doch die beste Nachricht verriet sie gleich zu Beginn: Nach einigem Hadern in den letzten Wochen hatte sie sich doch noch entschlossen, auch nächstes Jahr mit uns zusammen im Block zu bleiben. Diese Nachricht ließ mich förmlich entzücken, Danke, Yve, nach diesem Intro war das Ergebnis des Spiels eigentlich scheißegal.

Schließlich trudelte noch das Paar Assauer ein, mit Nichte im Schlepptau. So war die Borussenfestung mal wieder recht ordentlich vertreten. Als "Die Elf vom Niederrhein" angestimmt wurde, konnte eine gelungene kleine Choreo von seinen der zahlreich angereisten Stuttgart-Fans durchaus gefallen, muss ja auch mal erwähnt werden.

Das Spiel begann verhalten. Doch die Gäste standen gut und kamen gleich zu Beginn zu einigen guten Chancen. Und so wunderte es nicht, dass die Schwaben recht früh in Führung gingen, nachdem ein verunglückter Schussversuch von Timo Werner Daniel Didawi in Abstaubermanier nutzen konnte. So hatte Stuttgart jetzt alle Vorteile in der Hand, sie konnten sich zurückziehen und auf Konter lauern. Dabei spielte die Fohlenelf in den folgenden zwanzig Minuten gar nicht schlecht, sie kombinierten schnell und gut, und dennoch konnten sie sich keine zwingenden Torchancen erspielen. Stuttgart dagegen war mit seinen Kontern immer brandgefährlich, und so hätte sich Borussia nicht beschweren dürfen, wäre sie schon zur Pause mit zwei oder gar drei zu null hinten gelegen.

In der zweiten Hälfte übernahm Borussia zusehens die Initiative. Und dennoch wirkten die Aktionen irgendwie hilflos. Ein Patrick Herrmann suchte immerzu einen Mitspieler ohne selbst mal einen Schuss zu wagen. Ein Max Kruse lief und rackerte viel, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Seine Aktionen waren oft zu überhastet. Ein Julian Korb erwischte einen rabenschwarzen Tag, und so war es einzig ter Stegen zu verdanken, dass wir nicht höher zurücklagen. Nur Raffael war sehr sehr laufstark, überall zu finden, doch leider lief er sich in vielen Szenen am Gegner fest. Die Stuttgarter allerdings waren sehr präsent, lauf- und zweikampfstark, und sobald ein Borusse am Ball war, wurde er vom Gegner gleich gedoppelt. So war es in der Tat sehr sehr schwer, zu Möglichkeiten zu kommen.

Als der Trainer mit Younes und Hrgota frische Offensivkräfte ins Spiel warf, hatte ich nicht den Eindruck, als ob diese Wechsel fruchten würde. Und je weiter die Uhr gen 90 Minuten tickte, desto weniger hatte ich die Zuversicht, dass der VfL das Spiel noch würde drehen können. Sogar einen Lattenkracher nach einem Freustoß konnten die Gäste noch für sich verbuchen. Und so kam es, wie es so oft in letzter Zeit passiert ist, wenn kurz vor Schluss die Hoffnung im Borussiapark schwindet: der Support blieb aus und die Ultras feierten sich mit ihren nicht gerade niveauvollen Liedern selbst. Aber man sollte jetzt nicht mit dem nackten Finger auf den Block 1900 zeigen, denn von Seiten der Kurve kam auch nix mehr.

Der Ausgleich kam aus heiterem Himmel. Eine Flanke von Max Kruse in der letzten Minute der regulären Spielzeit touchierte Juan Arango mit dem Kopf und der Ball zappelte im Netz. Plötzlich stand die Kurve Kopf und im Stuttgarter Block sah man nur noch Pferdegesichter. Gladbach hätte noch mit einer guten Chance das zweite Tor machen können, doch der Abpfiff des komisch pfeifenden Schiris Meyer beendete eine für Gladbach glückliche Partie. Trotzdem war der Punkt verdient. Umso komischer die Gesänge der Nordkurve, die die unglücklichen Gäste in die Zweite Liga wünschten. Naja, die jungen Leute haben vielleicht vergessen, wie es war, als wir selber abgestiegen waren. Unser Trainer hat übrigens über die Pfiffe der Zuschauer zur Halbzeitpause gesagt, die Leute seien dumm geboren und würden nicht intelligent sterben. Wie recht er doch hat!!!!

Nach dem Spiel trafen wir uns noch kurz hinter dem Block, wo ich auch noch mal meinen guten alten Freund Frank aus Käner Zeiten treffen durfte, der jetzt in Mönchengladbach lebt. Leider wollte Michael viel zu früh wieder los fahren, aber so ist das eben, der Fahrer entscheidet!

Wir liefen an der Zonengrenzen entlang zurück zum Auto, und jetzt erzähle ich noch kurz die Geschichte vom blauen Baum (sonst wird Dino sie niederschreiben): In der Wohngegend in der Nähe des Pferdemetzgers steht in einem Vorgarten ein ungewöhnlich großer Mammutbaum, es könnte auch eine Zeder sein, zwar nicht so hoch, aber mit gut vier Metern Stammumfang für hiesige Gartenverhältnisse recht imposant und gewiss an die achtzig Jahre alt (wenn ich das dahinter stehende Haus für das Alter des Baumes zu Grunde lege). Auf der Hinfahrt sah ich diesen Baum und beschloss, meine Mitfahrer auf dieses Teil während der Rückfahrt hinzuweisen. Gesagt getan: "Guckt mal da hinten, der blaue Baum da, das ist der Mammutbaum...." Ja, ich weiß, gaaaaaanz lustig, hätte ich gesagt, der blau scheinende Baum, oder der bläulich-grüne hohe Baum, hätt's keinen Menschen gejuckt, und wäre genauso wenig eine Zeile wert, wie der blaue Baum. Aber ich nehme Dino jetzt schon mal vorsorglich den Wind aus den Segeln, indem ich euch diese tolle Geschichte erzähle.

Die Rückfahrt ging flott und gegen acht waren wir wieder in Siegen.

Übrigens wurde der Name des Fanclubs am Sonntag morgen im Spielbericht von Sport1 durch den Dreck gezogen, sinngemäß mit "heute war (der Park) keine Borussenfestung". Nun ja, wir waren ja auch beim Kaffeekränzchen (hihi...). Aber dafür wurde unser Banner in der Südkurve sehr groß eingeblendet, und das war dann doch recht gute Werbung für den Club!

Danke für's Bild, Jörn!