In Freiburg läuft was schief

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Bundesliga, 2. Spieltag: Freiburch - Borussia 3:1

Nach einem Jahr Abwesenheit ist Freiburg wieder in die Bundesliga aufgestiegen. Und Borussia hatte direkt beim ersten Auswärtsspiel die Ehre, in Freiburg zu Gast zu sein. Eine mehrtägige Auswärtstour in die schöne Stadt lohnt sich immer. Und so war die Borussenfestung mit mehreren Fahrgemeinschaften vertreten.

Ich war mal wieder mit C&A sowie Osram unterwegs. Diesmal mit dem alten Volvo, der, ausgestattet mit generalüberholtem Motor, mal etwas Auslauf brauchte. Und der Schwedenpanzer war mächtig in Schwung. Mehreren Porsches zeigten wir die Rücklichter. Nur nicht überall lief es so schwungvoll. Wieder einmal zwangen uns Staus und hohes Verkehrsaufkommen auf Umleitungsstrecken, die fast ohne Falschfahrten gemeistert wurden. Etwas später als geplant, aber immer noch rechtzeitig, trafen wir in Freiburg bei unserer gebuchten Ferienwohnung im "Lettischen Haus" in einem Freiburger Ortsteil ein.

Wir machten uns etwas frisch und fuhren dann mit dem Taxi in die Stadt. Dort warteten bereits weitere Festungsmitglieder, Kerstin&Jupp, Reinhold&Berthilde sowie Ehepaar Becker60, die schon früher die Anreise hinter sich gebracht hatten. Wir hatten schon Wochen zuvor im "Tacheles", einem Restaurant im ehemaligen Stadtkeller der Altstadt, einen Tisch reserviert. Dort waren wir vor drei Jahren schon mal eingekehrt und hatten das Lokal in guter Erinnerung. Nach kurzer Suche in der labyrinthartig konstruierten Gaststätte fanden wir dann endlich unsere Leute.

Das Essen, insbesondere die Steaks, war eine Wucht. Lange nicht so gut gegessen. Kein Wunder, dass man so lange im Vorraus reservieren muss. Dazu gab es natürlich diverse Bierspezialitäten der Region. Aber auch für badische Weinschorle hatten wir Abnehmer. Nach der Schlemmerei konnten wir noch auf einem der zahlreichen Bildschirme des Lokals das Freitagsspiel der Bundesliga verfolgen. Ach ja... Die Schalker wollen es machen wie Borussia letztes Jahr. Start mit zwei Niederlagen und Tabellenende. :-))

Im Anschluss trennten sich die Wege wieder. Unser Grüppchen stattete noch dem Augustinerplatz einen Besuch ab. Dort war bei den milden Temperaturen am Abend noch so richtig was los. Es ist der Treffpunkt für die Freiburger zum Chillen, Musizieren und Feiern. So kannten wir Freiburg noch nicht. Beim letzten Besuch vor zwei Jahren war es schlechtes Wetter und wir hatten die Altstadt als wie ausgestorben in Erinnerung.

Wir kehrten dann noch auf ein Absackerbier im nahegelegenen Biergarten der Privatbrauerei Feierling ein. Dort waren wir auch schon vor zwei Jahren. Allerdings nur im Lokal. Der Biergarten war damals wegen Regens geschlossen. Sehr lange blieben wir aber heute nicht. Alle waren irgendwie platt und wir kehrten per Taxi in unsere Unterkunft zurück, wo wir alsbald den Weg in die Koje fanden.

Am späten Samstagmorgen, nach ausgiebigen Frühstück im Freien, trafen dann auch Bachelor und Omi ein, die erst am frühen Morgen gestartet waren. Und jetzt war es an der Zeit, wieder in die Stadt zu gelangen. Nur waren irgendwie keine Großraumtaxis zu bekommen. So blieb uns nichts anderes übrig, als den Weg von der am Hang gelegenen Unterkunft bis ins Tal zu laufen, wo wir mit der Straßenbahn weiterfahren konnten. Weil wir spät dran waren, verfehlten wir jedoch den Rest der Borussenfestung, die bereits in Stadionnähe waren. Zunächst erkundeten wir noch Freiburgs Altstadt. Insider wissen: Hier haust ein Krokodil!

 

Nach einem erneuten Besuch des Biergartens wurde es auch für uns Zeit, zum Stadion zu gelangen. Aber wie? Die Straßenbahnen waren bereits jetzt überfüllt und bei der Hitze nicht wirklich angenehm. Also beschlossen wir, die vier Kilometer zum Stadion zu laufen. Es war zwar auch eine schweißtreibende Angelegenheit, aber immer noch besser als eine Fahrt in der Straßenbahn ohne die Hoffnung auf ausreichend Sauerstoff. Etwa 45 Minuten vor dem Anpfiff trafen wir am Stadion ein. Bachelor sah die Chance seines Lebens. Einmal ein Foto mit Freiburgs Maskottchen. Sein Traum ging heute in Erfüllung.

 

Ohne weitere Umwege suchten wir unsere Plätze auf der Tribüne auf, wo wir wieder den Rest der Borussenfestung trafen. Schon wieder hatten wir die miesen Plätze ganz am Rand erwischt. Miese Perspektive in Höhe der Torlinie, schlechte Luft innerhalb der Glaswand sowie Plätze im Sonnenschein sind nicht gerade für den perfekten Fußballgenuss förderlich. Und den Gäste-Stehblock konnte man durch die Glaswand hindurch nur erahnen. Auch verhindert die Wand, dass man von der Stimmung im benachbarten Block was mitbekommt. Ansonsten war die Stimmung im ausverkauften Schwarzwaldstadion recht gut. Zum ersten Heimspiel machten die Freiburger eine Fahnen-Choreo.

Bei dem Spiel lief wie in den Vorjahren etwas schief. Ja, der Platz hat einen Meter Gefälle! Wohl dem, der in der zweiten Hälfte nach unten spielt. Borussia hatte heute einen schlechten Tag erwischt und kam trotz mehr Ballbesitz gar nicht gut ins Spiel. Die ersten Chancen hatte Freiburg, darunter ein Pfostenschuss. Trotzdem ging Borussia mit dem ersten vielversprechenden Angriff mit einem sehenswerten Schuss von Hazard in Führung. Das gab aber keine Sicherheit. Weiterhin hatte Freiburg trotz weniger Ballbesitz die besseren Chancen, die jedoch nicht genutzt wurden. Das 0:1 zur Halbzeit war doch sehr schmeichelhaft.

In der zweiten Halbzeit lief erst recht was schief. Jetzt spielten die Freiburger das Gefälle nach unten. Und sie brauchten auch nicht lange, um erfolgreich zu sein. So was kennen wir aus den Vorjahren. Da lief auch was schief. Wieder schlug ein Sonntagsschuß unhaltbar im Winkel ein. Und das, nachdem zuvor ein vielversprechender Angriff leichtfertig nicht zu Ende gespielt wurde. Und nach wie vor hatte Borussia kein Mittel gegen die gut stehende Freiburger Abwehr. Viel zu pomadig wirkten die Versuche, das Bollwerk zu knacken.

Wenige Minuten vor dem Ende bekam Borussia dann die Quittung für die lasche Spielweise in Form eines Konters, den die Freiburger zum 2:1 nutzen konnten. Und als ob das nicht schon genug wäre, bekamen die Freiburger in der Nachspielzeit noch einen Elfmeter, den sie zum Endstand von 3:1 nutzen konnten. Heute lief aber auch alles schief. Waren da einige Spieler schon mit den Gedanken in Manchester? Zaghaft näherte sich die Mannschaft nach Spielende dem Gladbacher Block und erntete ebenso zaghaften Applaus und auch einige Pfiffe. Ne, das war heute nichts. Beim nächsten Spiel wird es wieder besser. Da bin ich mir sicher.

Und sofort waren wieder die lautstarken Meckerfans zu vernehmen. Nach vier gewonnenen Spielen zu Saisonbeginn folgte jetzt eine Niederlage. Und schon wird von einigen Oberschlauen der Trainer in Frage gestellt. Geht's noch? Dieser Trainer hat Borussia in der letzten Saison vom Tabellenende in die Championsleague geführt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Etwas frustriert kehrten wir in die Stadt zurück. Diesmal mit der überfüllten stickigen Straßenbahn, was bei der Hitze nicht allen gut bekam. In der Stadt hatten wir für heute Abend bei einem Griechen einen Tisch reserviert. Das Essen war eher mittelmäßiger Standard und etwas trocken, aber trotzdem noch zum Sattwerden ok. Da haben wir in der Vergangenheit schon bessere Griechen erlebt. Immerhin war das Bier erfrischend kalt und gut.

Nach dem Essen besuchten wir wieder den Kapuzinerplatz, der wieder rund um die "Säule der Toleranz" mit Menschen überfüllt war. Trotzdem fanden wir im Biergarten noch Platz für uns. Ein Bier der Region sollte noch gehen. Und was bekamen wir serviert? Ein Heimatbier aus dem nördlichen Siegerland. Das geht ja auch immer, nur hatten wir hier nicht damit gerechnet.

Danach trennten sich die Wege und wir verabschiedeten uns. Jeder kehrte zu seiner Unterkunft zurück. Und nach einem Absackerbierchen, dass wir vor der Tür der Ferienwohnung uns genehmigten, fanden wir dann auch den Frieden der Nacht.

Am Sonntagmorgen fuhren wir nach dem Frühstück wieder nach Hause. Damit die Autos gleichmäßig besetzt waren, fuhr ich diesmal bei Bachelor im Auto mit. Diesmal kamen wir gut durch und waren etwa um 16 Uhr wieder in Siegen. Fazit der Tour: Freiburg ist eine schöne Stadt. Zum Feiern fahre ich da gerne noch mal hin. Aber zum Fußballgucken wohl eher nicht. Seit Jahren hat Borussia da keinen Sieg geholt. Scheinbar läuft da in schöner Regelmäßigkeit aus unerklärlichen Gründen jedesmal was schief.