Erfolgreiche Frustbewältigung

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Bundesliga, 31. Spieltag: Määänz nullfünf - Borussia 1:2

Der Frust war nach dem Verpassen des DFB-Pokalfinales doch sehr groß. Trotzdem war kaum Zeit, darüber nachzudenken. Denn schon wenige Tage danach ging der Bundesliga-Alltag weiter. Heute stand die Auswärtstour zum Karnevalsverein in Mainz auf dem Programm. Und das hatte sich in den letzten Jahren oft als eine lohnenswerte Tour erwiesen. Mit ein paar Leuten trafen wir uns am Samstagmorgen am Siegener Bahnhof, um mit der Bahn die Anreise in Angriff zu nehmen. Yannick brachte wie versprochen ein Rähmchen Bier mit, so dass einer kurzweiligen Fahrt nichts im Wege stand.

Nach einem Umsteigehalt in Frankfurt trafen wir pünktlich in Mainz ein. Tine, Gandalf und ich hatten zuvor schon eine Übernachtung in einem nahegelegenen Hotel gebucht. Weil die Erforschung des Mainzer Nachtlebens bei der letzten Tour nicht komplett abgeschlossen wurde. Also checkten wir erst mal im Hotel ein, während der Rest der Leute das Knerzje, eine Kneipe in der Nähe, aufsuchten. Dort trafen wir uns im Anschluss auch wieder, um gemeinsam eine lokale Bierspezialität zu testen.

Dort trafen wir auch noch auf ein paar Größen der Fanszene, bevor wir uns mit einem der direkt gegenüber wartenden Shuttlebusse auf den Weg in Richtung Stadion machten. Auch im Shuttlebus gab es ganz neue Erkenntnisse. Jetzt wissen wir, wo unser Ersatztorwart herkommt. Ansonsten waren wir es mal wieder, die für die Bespaßung im Shuttlebus zuständig waren. Einen nebenberuflichen Clown haben wir ja immer dabei.

Irgendwas haben die Mainzer bei der Wegeplanung verkehrt gemacht. Das ganze Gelände ist unbebaut. Da hätte man den Bushaltepunkt von vorneherein etwas näher an das Stadion bauen können. Jedes Mal dieser endlos erscheinende Marsch durchs Niemandsland. Naja, es gibt Stadien, da ist es noch schlimmer mit der Lauferei. Hamburg oder Augsburg zum Beispiel.

Die Einlasskontrollen waren diesmal einigermaßen entspannt. Nur wurde unser Grüppchen dabei etwas zerfleddert. Wir mussten noch etwas warten, bis alle wieder beisammen waren und suchten uns dann einen Platz oben im Stehblock mit guter Sicht. Die Stehstufen sind hier ja fast so steil wie am guten alten Bökelberg.

Die junge Generation in unseren Reihen machte heute erstmals Bekanntschaft mit der hier angebotenen Weinschorle. Nur beim Holen von Nachschub müssen sie noch üben. Irgendwie wollte keiner die von ihnen herbeigeschleppte Schorle mit süßem Weißwein haben. Ich als Biertrinker sowieso nicht. Naja, bei den Trinkversuchen landete sowieso die Hälfte auf den Stehstufen.

Eins fiel auf: Die Ultras waren gar nicht da. Es sickerte durch, daß sie irgendwo während der Anreise Mist gebaut hatten und sich einer Kontrolle unterziehen mussten. Jetzt zeigte sich, dass wir die Ultras gar nicht brauchen. Das mit der Stimmung klappt zumindest auswärts auch ohne sie ganz gut. Irgendwann in der ersten Halbzeit trafen die Ultras dann ein, führten sich auf wie die Könige und als ob sie die Welt gerettet hätten. Ganz ehrlich: Besser wurde die Stimmung auch nicht, als sie da waren.

Borussia musste zu Beginn des Spiels eine kurze Drangphase der Gastgeber überstehen, bei der Sommer aber keine Mühe hatte, einen harmlosen Kopfball abzufangen. Danach bekam Borussia das Spiel schnell in den Griff. In der 22. Minute sorgte Stindl  für den ersten gefährlichen Abschluss der Fohlenelf. Der Mainzer Torwart begrub die Kugel aber im Nachfassen unter sich.Von den Mainzern war jetzt offensiv nichts mehr zu sehen. In der 31. Minute nahm der Wendt-Ersatz Schulz auf der linken Angriffseite Tempo auf und brachte den Ball nach innen, wo Stindl freistehend nur noch zum 0:1 einschieben musste. Jaaaaaaaaa!

Auch in der Folge trat nur Borussia offensiv in Erscheinung. Der heute überragend auftretende Schulz versuchte es mit einem Distanzschuss, der nur knapp über das Gebälk abgefälscht wurde. Kurz vor dem Pausenpfiff zappelte der Ball erneut im Mainzer Tornetz. Der Kopfballtreffer von Christensen fand aber leider keine Anerkennung, weil der zuvor getretene Eckball wohl schon in der Luft im Toraus war. Schade. So ging es nur mit der knappen Führung in die Pause.


Nach der Pause dauerte es nicht lange, bis die Weichen auf Sieg gestellt wurden. Beim ersten Angriff flankte Elvedi auf Hofmann, der den Ball im Zentrum gut abschirmte. Ein Mainzer bugsierte bei seinem Abwehrversuch die Kugel vor die Füße von Schulz, dessen platzierter Schuss unhaltbar im rechten Toreck zum 0:2 einschlug! Jaaaaaaaaaaa! Es folgte ein Torpogo mit einer Mischung aus Jubel und Fontänen aus Bier und Weißweinschorle. Schulz machte heute das Spiel seines Lebens!

Auch weiterhin war Borussia am Drücker. In der 58. Minute verpasste Stindl die endgültige Entscheidung, als er nach einem Doppelpass mit Dahoud nicht genügend Druck hinter den Ball bekam, so dass der Mainzer Torwart ohne Mühe parieren konnte. Erst langsam arbeitete sich Mainz ins Spiel hinein. Zunächst versuchten sie es aber nur mit Distanzschüssen, die das Tor verfehlten. Zwischendurch hatte Hahn bei einem Konter die Entscheidung auf dem Fuß, aber sein Schuß ging deutlich drüber.

So etwa ab der 80. Minute geriet Borussia unter Druck und die Einschläge kamen dichter. Ein Versuch per Hackentrick rollte nur knapp am Tor der Borussia vorbei. In der 89. Minute musste Borussia dann doch noch den Anschlusstreffer hinnehmen. Aber das sollte doch trotzdem reichen. Oder? Es wurde nochmal eng. In der Nachspielzeit erzielten die Mainzer tatsächlich noch ein Tor, daß aber wegen Abseits nicht anerkannt wurde. Glück gehabt. Borussia brachte das Ergebnis jetzt über die Zeit und konnte sich endlich nach mehreren Niederlagen in Folge mal wieder über einen Sieg freuen.


Es war ein verdienter Sieg. Über die meiste Spielzeit hat Borussia Ball und Gegner kontrolliert und kaum Mainzer Torchancen zugelassen. Zum Glück hat es zum Ende gereicht und wir hatten nach ein paar Rückschlägen in den letzten Wochen endlich mal wieder was zu feiern. Und daß wir das können, ist ja bekannt.

Die Mannschaft verabschiedete sich und wir sammelten uns hinter dem Block. Bevor wir den Marsch zum Bushaltepunkt in Angriff nahmen, stärkten wir uns noch mit Bier und einer "Feuerwurst", die in Mainz schon zum Pflichtprogramm gehört. Dann konnte es losgehen. Am Bahnhof angekommen, warteten wir noch gemeinsam, bis der nächste Zug in Richtung Heimat eintreffen sollte. Am Bahnhof waren seltsame Aktivitäten der Hundertschaft von Bereitschaftspolizei zu beobachen. Kreuz und quer und scheinbar ohne System marschierten die verschiedenen Einsatzgruppen hin und her. Teilweise mit oder ohne Helm, wohl je nach Meinung der Gruppenleiter. Auch teilweise sehr grimmig und andere sehr entspannt. Vor allem fragten wir uns, wofür? Denn bis auf ein paar besoffene Pöbler war eigentlich nichts los. Da hätten zwei Beamte völlig ausgereicht.

Dann trennten sich unsere Wege. Die meisten von uns traten jetzt den Heimweg an. Tine, Gandalf und ich wollten ja noch bis morgen hier bleiben und wir verabschiedeten uns. Danach ging es erst mal zum Frischmachen ins nahegelegene Hotel.

Den Abend gestalteten wir ganz entspannt in einem afrikanischen Restaurant in der Altstadt von Mainz. Mal ganz was anderes. Afrikanisches Essen kannte ich noch nicht, aber es war sehr schmackhaft und sättigend. Ohne Besteck von einem großen Teller für alle zu essen ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber mit etwas Übung klappte es ganz gut. Nur eins kann ich euch versichern: Dieses Essen brennt zwei mal...

Im Anschluss statteten wir den Kneipen,wo wir bereits im Vorjahr eingekehrt waren, einen Besuch ab. Aber irgendwie war es nicht unser Abend. Nirgendwo war so wirklich was los und Personal war auch nicht sonderlich gut drauf. Und bei Gandalf und mir stellte sich irgendwann eine weingeistbedingte Bettschwere ein. Und als der Kellner der zweiten Kneipe dem armen Gandalf das frisch erworbene und gerade angenippte Getränk wieder wegnahm mit der Behauptung, es sei schon leer gewesen, entschieden wir uns dazu, die ungastliche Stätte zu verlassen, zum Hotel zurückzugehen und den Frieden der Nacht zu suchen.

Nach dem Frühstück am Sonntagmorgen verabschiedete ich mich dann von den beiden, die noch was anderes vorhatten, und fuhr mit der Bahn nach Hause. Die Tour hatte sich mal wieder gelohnt. Diesmal haupsächlich aus fußballerischer Sicht. Und für das nächste mal sollten wir mal schauen, was es sonst in Mainz noch an Kneipen gibt.