Ein Plotz im Sattelbus

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Bundesliga, 34. Spieltag: Darmstadt - Borussia 0:2

Ich hatte mich schon damit abgefunden, das letzte Spiel der Saison am Fernseher verfolgen zu müssen. Und dann kam ich doch noch in den Besitz einer der begehrten Eintrittskarten. Mit sieben Leuten der Borussenfestung machten wir uns mit der Bahn auf den Weg nach Hessen. Mit dabei waren Nebelhorn, Hotte, Benni, Kai, Jens, Fossi und ich. Dazu gesellte sich ein langhaariger Metal-Fan aus Weidenau. Schon schnell nach Fahrtbeginn war eine hohe Schlagzahl beim Bierkonsum festzustellen, so dass es eine lustige Fahrt werden sollte. Auch eine Flasche Sekt wurde geköpft, die Kai zur Feier des Tages mitgebracht hatte. Was gab es denn zu feiern? Ach ja... Glückwunsch zum 100. Spielbesuch, Kai!

Als Spaßbremse zeigte sich erneut die Deutsche Bahn beim Umsteigen in Frankfurt. War es ein Streik oder eine seltsame Lokführerkrankheit? Jedenfalls standen einige Züge im Bahnhof, bei denen die Fahrer fehlten. Und wo wir auch einstiegen, war nur Stillstand. Es ging einfach nicht weiter. Schon beratschlagten wir, ob wir nicht ein Taxi nehmen sollten. Letztendlich fanden wir aber eine S-Bahn, die tatsächlich fuhr und uns zwar später als geplant, aber immer noch früh genug, nach Darmstadt bringen sollte. Nur Fossi und Jesus verloren wir bei der ständigen Zugwechselei aus den Augen. Aber sie fanden auch den Weg nach Darmstadt.

Dummerweise hatten wir unseren Sanitärbeauftragten dabei, der uns unbedingt noch eine Führung durch die Katakomben von Sachsenhausen aufzwingen musste. So stiegen wir unplanmäßig noch vorm eigentlichen Ziel Darmstadt noch mal aus, um dort einem natürlichen Verlangen nachzukommen. Aber S-Bahn-Stationen geben auch eine gute Kulisse für Fotos her.

In Darmstadt angekommen, war noch etwas Zeit, um irgendwo ein Bierchen zu schlabbern. Zunächst fuhren wir ein Stück mit der Straßenbahn, um da von Einwohnern den Tipp zu bekommen, am Luisenplatz auszusteigen, weil dort gute Lokale wären. Gesagt, getan. Kaum waren wir ausgestiegen, fanden wir auch schon ein Straßenlokal, wo wir unverzüglich einkehrten.

Für die Bespaßung vor Ort sorgte ein Gammler älteren Semesters italienischer Herkunft mit Matrosenmütze, der im Gegenzug ein paar Zigaretten schnorrte. Als er dann verschwunden war, erkundigte sich das Personal des Lokals, ob er uns belästigt hätte. Scheinbar treibt der sich schon jahrelang hier rum und hätte noch nie irgendwas Sinnvolles gearbeitet. Naja, belästigt hatte er uns ja nicht. Und jeder hat so seinen Weg, durch den Tag zu kommen.

Wer kam eigentlich da auf die Idee, eine Runde Grappa auf den Tisch zu stellen? Es war eine Idee mit fatalen Folgen für die Kondition, wie der Tag noch zeigen sollte. Und Kai hatte bereits jetzt Sprachstörungen. Er meinte, wir sollten sehen, dass wir einen "Plotz im Sattelbus" bekämen. Auweia, das war der Grappa! Danke für den Spruch des Tages!

Wir leerten unser Bier und fuhren dann mit der nächsten Straßenbahn in Richtung Stadion Böllenfalltor. Ein kurzes Stück mussten wir noch durch den Wald laufen, bis wir den Eingangsbereich des Gästeblocks erreichten. Und wie so oft, hatte ich mal wieder einen Tinnitus im Auge. Da lief eine Pfeife rum, die mich mal wiedermit seinem typischen Gelaber zutextete: "Hässlich, hässlich, einfach nur hässlich!"

Ansonsten stattete sich ein Teil unserer Leute mit neuen schmucken Hüten aus. Naja, das ist Geschmachsache. Ich persönlich unterstütze nicht die Profitstreben privater Fanartikelverkäufer. Dafür hat Borussia einen eigenen Fanshop.

Das Stadion ist eines der älteren Sorte. Nur spärliche Imbiss- und Bierstände und Dixiklos statt komfortabler Ausstattung war hier angesagt. Aber das wussten wir ja schon vom Pokalspiel vor zwei Jahren. Immerhin klappte es heute besser mit der Bewirtung. Vor zwei Jahren war der Getränkestand schon zur Halbzeit komplett trocken. Damals war es aber im Gegensatz zu heute glühend heiß. Immerhin blieb es auch heute von oben trocken. Für unser Mini-Banner fand ich ein Plätzchen unterhalb der Treppe am Zaun.

Das Stadion war natürlich pickepackevoll. Die Darmstädter hatten einen Flag-Day ausgerufen und alle Tribünen waren mit blauweiß beflaggt. Wir Gladbachfans machten diese Aktion gerne mit, wenn auch mit unseren Farben. Die Ultras hatten einen Old-School-Day ausgerufen und so sah man heute außergewöhnlich viele im Block mit altem Trikot und Kutte gekleidet. Für mich nichts neues. So laufe ich doch immer rum. Die Stimmung im Block war gut und die Atmosphäre im Stadion bestens und entspannt. Für die Vereine ging es um nichts mehr, außer ein gutes Spiel zu bieten.

Das Spielgeschehen zu verfolgen, erwies sich heute angesichts der dauerhaft geschwenkten Fahnen als etwas schwierig. Aber heute war es ja eher unwichtig, wie das Spiel ausgehen würde. Borussia nahm nach einer Abtastphase das Geschehen an sich und erspielte sich mehrere Chancen, von denen eine von Hazard zur Führung genutzt wurde. Ansonsten war es eher ein Auslauf-Kick. Und das Geschehen Drumherum war viel interessanter als das Spiel auf dem Rasen. Schon vor der Pause zeigte der Grappa und die Hopfenbrause erste Wirkung in Form verlorener Gesichtszüge. Auch erste Auszeiten waren zu vermerken. Und bei Kai kam eine geheime Leidenschaft zutage. Eigentlich ist der Leipzig-Fan! Für etwas Motivation sorgte die nette Blondine, die nach ihren Angaben der Allesfahrerszene zugehörig ist.

 

Zur Halbzeit führte Borussia verdient mit 1:0. Und es war Zeit, sich etwas zu stärken. Nur das mit dem Äppelwoi war gar keine gute Idee. Hotte hatte ab der Halbzeitpause einen Sitzplatz. Würde auf dem Platz was passieren, würde er das schon merken.

 

Die zweite Halbzeit begann. Vom Spiel hat dann offensichtlich ein Großteil der Borussenfestung nicht mehr so viel mitbekommen. Zum einen, weil nach wie vor die Schwenkfahnen einen guten Blick aufs Spielfeld verhinderten. Zum anderen, weil die Äuglein doch nicht mehr so gut aufbleiben wollten. Bier, Sekt, Grappa und Äppelwoi sind keine gute Kombination!

Borussia hatte in der zweiten Hälfte das Spiel nach wie vor unter Kontrolle und ließ kaum gegnerische Angriffe zu. Und die Entscheidung wurde so ungefähr nach einer Stunde Spielzeit erzielt. Genauer kann ich es nicht sagen. Hahn köpfte eine Flanke unhaltbar in die lange Ecke zum 2:0. Ansonsten passierte nicht mehr so viel. Ein paar weitere Chancen wurden nicht genutzt. Am Ende war es ein hochverdienter Sieg gegen den Aufsteiger, der zwar gut gekämpft, aber heute insgesamt überfordert war gegen eine Borussia, die gezeigt hat, dass sie auswärts doch noch gewinnen kann.

Die Mannschaft verabschiedete sich vor dem Gästeblock. Der Einzug in die Championsleague-Quali wurde nochmal lautstark gefeiert. Ein paar der Spieler sahen wir heute zum letzten Mal im Trikot der Borussia. Und sie wurden noch einmal gefeiert. Ob sie gleichwertig ersetzt werden können, wird die nächste Saison zeigen.

So langsam leerte sich das Stadion. Weil wir noch reichlich Zeit hatten bis zur letzten Rückfahrmöglichkeit, nahmen wir uns auch Zeit, hier weg zu kommen. Der eine oder andere Plausch, auch mit den Ordnungshütern, wurde noch gehalten und die letzten Bierchen vom Bierstand erworben. Und Nebelhorn versuchte sich als Vorsänger. Nur machte in unserem jetzigen Zustand keiner mehr mit. Für uns war es auch jetzt an der Zeit, das kultige Stadion zu verlassen. Die Ordner wollten Feierabend machen.

 

Was kann man am letzten Spieltag der Saison bei einer Auswärtstour machen? Feiern! Aber wo? In der Straßenbahn am Rückweg zum Hauptbahnhof bekamen wir wieder einen Tipp. So stiegen wir wieder am Luisenplatz aus. Zunächst wollten wir uns aber stärken. Der erstbeste Dönerladen musste dran glauben. Und wir hatten Glück. Darf man das sagen? Der Döner war schweinelecker! Stimmt's, Hotte? Ich liebe deine animalische Art, dir so was einzupflanzen :-)

Trotz Bedenken von einigen von uns drängten Hotte und ich aber jetzt dem Tipp aus der Straßenbahn nachzukommen. Denn wo gefeiert wird, dürfen wir nicht fehlen. Denn auch die Darmstädter hatten was zu feiern, nämlich den Klassenerhalt. Und das geschah im großen Rahmen auf dem nahegelegenen Rathausplatz. Und was hatten wir hier zu befürchten? Hier waren nur gutgelaunte Fans in Feierlaune. Und schnell mischten wir uns darunter. Ich bin sicher, hier war mehr los als in München auf dem Marienplatz.

Wir wurden sofort in die Party integriert. Um Biernachschub brauchte man sich eigentlich nicht kümmern. Und lauf mal mit Gladbachkutte durch so eine Party von fußballerisch jahrelang ausgehungerten Fußballfans. Meine Hauptbeschäftigung war es, für Fotos mit netten Menschen zur Verfügung zu stehen. Auch wurde das eine oder andere Fanutensil ausgetauscht.

Die Zeit ging mal wieder viel zu schnell rum und jetzt wurde es doch Zeit für die Rückkehr zum Hauptbahnhof. Aber auch auf dem Weg dahin wurden wir immer wieder aufgehalten von gut gelaunten Leuten, die ein Foto mit uns machen wollten.

Endlich hatten wir es geschafft und saßen mit Hilfe einer netten Dame in der letzten S-Bahn, die gerade noch früh genug war, um in Frankfurt den Zug in Frankfurt zu erwischen. Nur Jens und Hotte fehlten! Das merkten wir erst kurz vor Frankfurt. Was denn jetzt schon wieder? In Frankfurt trafen wir sie aber wieder. Es stellte sich heraus, dass sie beim Einsteigen in Darmstadt etwas zu träge waren und die Tür vor der Nase zugegangen war. Aber solange es Taxis gibt, ist die Welt ja in Ordnung.

Im Zug nach Siegen war dann ziemlich schnell Augenpflege angesagt, wie folgendes Foto von Nebelhorn doch eindrucksvoll belegt. Es war einer der geilsten Auswärtstouren, bei denen ich dabei war. Ich hoffe sehr, dass in der nächsten Saison weitere geile Auswärtstouren folgen. Wenn man mit den richtigen Leuten unterwegs ist, steht dem nichts im Wege. Und das war heute der Fall.

Sehr geil Dino :-) :-) :-)

Sehr geil Dino :-) :-) :-)