Ein Hauch von Bökelberg

Bild von vfldino

Bundesliga, 31. Spieltag: Borussia - Hoppeldingens 3:1

Heute wurde ein Tag der Tradition begangen. Schon am Vormittag hatten sich ein Teil der Ultras und der aktiven Fanszene in Eicken getroffen und nach einer Begehung des ehemaligen Bökelberg-Geländes sich per Fahrrad auf den Weg zum Borussia-Park gemacht. Im Stadion wurden dann alte Rituale vom Bökelberg wiederbelebt.

Zu Beginn meines Fandaseins am Ende der 80er Jahre gehörte das zu meinen Aufgaben, Konfetti zu organisieren und zu verteilen. Das waren noch Zeiten. Jetzt standen einige der Ultras an den Blockeingängen und verteilten Bierlätzchen, Papierschnipsel und Luftballons an jeden, der hineinging. Die Luft würde ziemlich papierhaltig werden. Bis auf die üblichen Lücken im Gästeblock der traditionslosen Fans aus dem Kraichgau war der Borussiapark ausverkauft. Es würde nach den eher blutleeren Auftritten in Ingolstadt und Hannover mal wieder Zeit für einen Sieg, um wieder im Kampf um die internationalen Plätze Boden gut zu machen.

Die Rahmenbedingungen stimmten. Ein Fahnenmeer und ein Konfettisturm empfing die Mannschaften beim Einmarsch. Würde sich das Treiben in der Nordkurve auch auf die Mannschaft übertragen?

Das Spiel brauchte keine lange Abtastphase. Schon mit dem ersten Angriff gelang Borussia in der 4. Minute die Führung. Zwar durch ein Eigentor, aber schöner hätte der dahinter grätschende Hahn die scharfe Hereingabe von Wendt auch nicht einnetzen können.

In der Folge hatte Borussia das Spiel eigentlich immer im Griff. Zu harmlos erschien unser heutiger Gegner in der Offensive. Allerdings hielt dieser in der Defensive gut dagegen und machte die Räume eng. So kamen nur wenige weitere Chancen zustande, die durch Hahn, Dahoud und Nordtveit nicht genutzt wurden. Auf der Gegenseite stand nur eine Chance zu Buche, die Sommer vor keine Probleme stellte. Kurz vor der Pause fiel dann das hochverdiente 2:0. Der Hoppeldingenstorwart konnte einen Schuss von Raffael nur abklatschen. Den Abpraller erkämpfte sich Hahn und legte genial zu Dahoud, der dann mühelos einschieben konnte. Direkt danach ging es in die Kabine zum Pausentee. Für uns natürlich zum Bierstand. Nachtanken. Um dann wieder auf den von Papierschnipseln bedeckten Stufen seinen Platz zu finden.

Die zweite Hälfte begann mit einer Chance für Traoré, dessen Schuss aus spitzem Winkel mit einer Glanzparade abgewehrt wurde. Und dann fiel aus dem Nichts der Anschlusstreffer. Elvedi verdaddelte im Spielaufbau als letzter Mann in der 54. Minute den Ball an die früh störenden Hoppelheimer, die dann in Überzahl mühelos treffen konnten. Hmmm... Mussten wir jetzt noch mal zittern? Nicht sonderlich lange, denn Borussia erhöhte wieder die Schlagzahl. Die Versuche von Wendt, Dahoud und Christensen führten zunächst aber noch nicht zum Erfolg.

In der 61. Minute war es aber dann soweit und der Zwei-Tore-Vorsprung wurde wiederhergestellt. Dahoud schickte Hahn von der Mittellinie auf die Reise, der den Freiraum nutzte und zum 3.1 abschloss. Und weiter ging es mit Borussias Angriffen. Traorés Schuss wurde im letzten Moment geblockt. Zwischendurch probierten es auch die Gäste mal, aber Sommer war zur Stelle.

Die Stimmung in der Nordkurve war währenddessen allerbestens. Immer wieder wurde das Konfetti aufgeklaubt und synchron zu den Gesängen erneut geworfen. Das Spiel schien entschieden und plätscherte jetzt etwas vor sich hin. Und da hilft es oft, sich selbst zu bespaßen. Nur noch selten gab es offensive Aktionen. Raffael verpasste nach einem Konter die Entscheidung. Kurz mussten wir noch mal bangen, als ein Distanzschuss knapp an unserem Tor vorbeizischte. Und kurz darauf musste Sommer nach einer Ecke noch mal zugreifen. In der Nachspielzeit traf Hofmann aus spitzen Winkel noch das Außennetz. Direkt danach wurde abgepfiffen.

Erneut hat Borussia einen hochverdienten Heimsieg eingefahren gegen einen unbequemen, aber insgesamt überforderten Gegner. Wie sich das in alter Traditon gehört, wurde der Sieg vor der Nordkurve gefeiert. Auch mit alten Gesängen. Die Ultras haben dazuglernt. Insgesamt kann man beobachten, dass sich die Ablösung des alten Zaunkönigs, der eher ein Selbstdarsteller war, positiv bemerkbar macht.

Auch der Ausgang der anderen Spiele stimmte uns freudig. Alle Mitkonkurrenten hatten gepatzt und die Teilnahme am Europapokal in der nächsten Saison ist uns sicher! Ob es noch für die Championsleague reichen wird, werden die verbleibenden Spiele zeigen. Was wir uns nur fragen: Wo würde Borussia stehen, wenn diese unsäglichen Auswärtsauftritte nicht gewesen wären?