Dosenverein in der Opferrolle

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Bundesliga, 21. Spieltag: Borussia - Dosenprodukt Leipzig 1:2

Nur drei Tage nach der unglücklichen Niederlage gegen Florenz waren wir in gleicher Besetzung mit Omi, Tine&Gandalf und mir, diesmal als Fahrer, zum Borussia-Park unterwegs. Heute war wieder Liga-Alltag. Zu Gast war das Brausedosenvermarktungskonstrukt, das sich Rasenballsportverein nennt, aus Leipzig. Mit etwas gemischen Gefühlen sahen wir diesem Duell entgegen, zumal dieser Anti-Fußballverein mit seiner Strategie derzeit recht erfolgreich auf Platz zwei der Tabelle steht. Es ist ein erkaufter Erfolg, der die Fairnis eines sportlichen Wettbewerbs mit Füßen tritt.

Das wollten große Teile der Gladbacher Fanszene heute durch Protestaktionen zum Ausdruck bringen. In Anlehnung an das Gründungsjahr 1900 sollte in den ersten neunzehn Minuten kein Support stattfinden. Und danach sollte um so lauter angefeuert werden. So richtig einig war sich die Fanszene nicht. Aus verschiedenen Stellen der Nordkurve gab es trotzdem zu Beginn Anfeuerungsrufe. Und als die neunzehn Minuten dann vorbei waren, wählten die Ultras die verkehrten Gesänge als Vorgabe. Von den etwa 2500 Dosenfans im Gästeblock hörte man nur selten etwas. Wie auch? Sind ja hauptsächlich Kunden einer Brausefirma.

 

So weit entfernt vom Spielgeschehen habe ich die Gesänge der Ultras selten erlebt. Wie will man bei einem solchen Spiel mit Anti-Ölln-Gesängen für Stimmung sorgen? Und wie will man, wenn das Spiel nicht so gut läuft, mit Sing-Sangs wie "Wenn wir ins Stadion gehen..." oder "Wir sind die Fans von MG...", die nur der Selbstverherrlichung der Ultras dienen, der Mannschaft den Rücken stärken? Da sollte mal besser ein lautstarkes "Auf geht's Gladbach, kämpfen und siegen!" oder ähnliches kommen! Insgesamt war der Support heute megapeinlich. Auch das eine oder andere Protestbanner gegen das Konstrukt Leipzig wurde während dem Spiel und in der Halbzeit hochgehalten. Zumeist mit provokanten, aber aktzeptaben Aussagen. Nur ein gewaltverherrlichendes Banner, dass sich auf die Vorfälle zwei Wochen zuvor in Doofmund bezog, schoss über das Ziel hinaus. Da waren mal wieder Vollpfosten am Werk. Der DFB ermittelt schon.

Wie schon angedeutet, lief das Spiel der Borussia nach gutem Beginn nicht gut. Die erste gute Chance der Partie hatte jedoch Hazard in der 10. Minute, als er von links in den Strafraum eindrang  und aus spitzem Winkel ans Außennetz schoss.Danach wurde Leipzig besser und es war eine Riesentat von Sommer nötig um nicht schon in der 16. Minute in Rückstand zu geraten. In der 31. Minute war er aber gegen den plazierten Flachschuss ins linke Eck chancenlos und die Gäste gingen in Führung. Danach war mehr Krampf als Kampf. Einen der wenigen guten Angriffe nutzt Hazard nicht, weil er deutlich verzieht. Kurz vor der Pause bekam Borussia einen berechtigten Foulelfmeter. Auch diese Chance konnte Hazard nicht nutzen und scheiterte am Torwart. Ein Tor wäre jetzt wichtig gewesen. So ging es mit dem 0:1 in die Pause.

In Hälfte zwei wurde es nicht besser. Lediglich eine Halbchance von Hahn war zu verzeichnen. Die Dosenvereinspieler machten es besser. Sie nutzten einen Sekundenschlaf in Borussias Abwehr und erzielten das 0:2. Muuuaaaaaa! Das würde jetzt schwer! Stindl versuchte es und brachte den Ball auch im Tor unter. Aber leider mit der Hand. Bei einer weiteren Chance war der Winkel zu spitz, um den Torwart zu überwinden. Querspielen wäre hier die richtige Alternative gewesen.

So rannte die Spielzeit im Eiltempo davon. Erst in der 80. Minute keimte nochmal Hoffnung auf, als Vestergaard per Kopfball den Anschlusstreffer erzielte. Noch war Zeit. Aber Borussia fiel nicht mehr viel ein. Und jetzt kam noch eine andere Tatsache zum Tragen, nämlich das Zweierlei-Maß des Schiedsrichters. Über das ganze Spiel hinweg wurde Leipzig, das neue Lieblingskind des DFB, mit vielen kleinen, aber für Borussia zermürbenden Fehlentscheidungen bevorteilt. Nach den Vorfällen in Doofmund war der Dosenverein ja jetzt in der Opferrolle und durfe heute keinesfalls Punkte lassen. Es gipfelte in der letzten Aktion des Spiels, nachdem ein Freistoß in Leipzigs Strafraum geflogen kam. Dieser Ball wurde zu kurz abgewehrt. Miten in die erneute Hereingabe kam der Schlusspfiff! Kann das sein? Mitten in eine Angriffsaktion? Das sorgte für Tumulte auf dem Spielfeld und auch in der Kurve. Der Schwalbenkönig in Leipziger Reihen machte dann noch seinem Ruf alle Ehre. Zum Glück fiel der Schiedsrichter nicht darauf rein. Etwas seltsam war die Verabschiedung der Mannschaft vor der Kurve. Es war eine Mischung von aufmunterndem Applaus und Pfiffen. Galten die Pfiffe der Borussia oder dem Gegner? Oder doch dem Schiedsrichter? Wohl letzteres!

Am Ende war es eine unnötige Niederlage. Zum wiederholten Mal kann man die Ursache in der Chancenverwertung suchen. Ist der Elfmeter kurz vor der Pause drin, hätte das Spiel anders verlaufen können. Es hatte nicht sollen sein. Und erneut hatte die elendige Hasenhüttl-Taktik mit schauspielern, reklamieren und Unfairnis gegen Gladbach Erfolg. Das kannten wir ja schon aus dem Vorjahr, wo Hasenhüttl noch Trainer von Ingolstadt war. Zu Leipzig sage ich nur: Verpisst euch! In der Liga will euch keiner haben, der einen fairen Fußball sehen will!