Doofe Niederlage beim Karnevalsclub

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Bundesliga,19. Spieltag: Määänz nullfünf - Borussia 1:0

In Mainz waren wir schon öfters. Aber bisher nur im Stadion. Aber die Stadt soll ja auch schön sein. Also beschlossen wir schon kurz frühzeitig, eine mehrtägige Auswärtstour nach Mainz zu machen. Dummerweise wurde dann der Spieltermin auf Freitagabend gelegt. Das zwang mich dazu, die Schicht zu tauschen, damit ich überhaupt mitfahren konnte. Aber was tut man nicht alles für Borussia?

Schon kurz nach Feierabend machten wir uns mit fünf Leuten auf den Weg. Es war ziemlich kuschelig in Gandalfs Audi mit Patty, Osram und mir auf der Rückbank. Gleichzeitig einatmen ging gar nicht. Sonst wäre Osram in der Mitte wohlmöglich erstickt. Da hatten es Tine und Gandalf vorne im Auto etwas bequemer. Aber so lange dauert die Fahrt nach Mainz ja nicht. Und mit Hilfe vom heutigen Chefnavigator Gandalf, unterstützt von zumeist überhörten Ratschlägen meinerseits fanden wir dann das Hotel in der Mainzer Innenstadt. Und nach einer Ehrenrunde um den Block durch ein paar Einbahnstraßen fanden wir dann auch die Einfahrt zur Hotel-Parkgarage.

Schnell hatten wir eingecheckt und uns etwas frisch gemacht. Und schon waren wir unterwegs zum Stadion. Die erste Etappe mit der Ess-Bahn, wie Patty meinte. Weil Tische im Abteil waren. Am Hauptbahnhof trafen wir dann einen Kumpel von Gandalf, der sich heute auch mal ein Fußballspiel anschauen wollte. Auch waren hier schon zahlreiche Gladbacher eingetroffen. Noch etwas wurde geplauscht und dann fuhren wir mit dem Shuttlebus zum Stadion.

Wir waren noch früh dran. Die Kontrolle am Eingang passierten wir einigermaßen zügig. Denn wir mussten ja noch ein Plätzchen für unser Minibanner finden. Das fand sich fernsehgerecht über dem Gästeblock-Eingang. Nachdem das Banner aufgehängt war, blieb noch Zeit für das eine oder andere Schwätzchen hinter der Tribüne, bevor wir, mit Bier oder Weinschorle ausgestattet, uns einen Platz oben im Block suchten.

Vor Spielbeginn gab es eine Gedenkaktion der Mainzer Fans für einen in der Vorwoche tödlich verunglückten Fan. Begleitet von "You never walk alone" wurde mit Schals, Kränzen, einer einzelnen Großfahne und einer einzelnen Pyrofackel Abschied genommen. Auch die Gladbacher Ultras zeigten mit einem Banner ihre Anteilnahme.

Kurz vor dem Anpfiff trafen dann auch noch Herr Assauer und Simon ein und gesellten sich zu uns. Sie würden aber nicht über Nacht bleiben, sondern nach Spielende wieder nach Hause fahren.

Das Spiel war nicht besonders erquickend. Borussia hatte zwar zu Beginn eine Kopfballchance durch Nordtveit nach einer Ecke, die aber vom Torwart abgewehrt wurde. In der Folge war das Spiel der Borussia aber zu pomadig und die Mainzer kamen besser ins Spiel. Und das hatte Folgen. In der 21. Minute gewährte unsere Abwehr den Mainzer Angreifern zu viel Platz. Und das nutzte Mainz mit einem Sonntagsschuss aus zwanzig Metern zum 1:0. Borussia brauchte etwas, um sich vom Gegentreffer zu erholen, kam dann aber besser ins Spiel. Mehrere Chancen durch Raffael und Stindl wurden herausgespielt, aber nicht genutzt. Kurz vor der Pause musste Sommer noch einmal retten. Insgesamt war die knappe Führung für Mainz zur Pause aber verdient.

Die Halbzeitpause wurde überbrückt mit weiteren Gedenkaktionen für den verstorbenen Ultra mit Zitaten von ihm auf Spruchbändern. Schöne Aktion!

Was Borussia in der zweiten Hälfte an Torchancen herausspielte, hätte für einen Sieg locker reichen können, wären sie genutzt worden. Aber es sollte heute nicht sein. Die größte Chance vergab Stindl per Kopfball und Raffael mit dem Nachschuss. Heute war so ein Tag, da hätten wir noch zwei Stunden spielen können und wir hätten immer noch kein Tor bejubelt. So war es am eine eine ziemlich unglückliche Niederlage gegen die Mainzer, die eine ihrer wenigen Torchancen genutzt hatten. Es war die zweite Niederlage in Folge. Sollten wir wieder so mies starten wie in der Hinrunde? So schlecht war unser Spiel heute nicht, aber wer die Chancen nicht nutzt, verliert verdient.

Ziemlich angepisst verließen wir den Block. Noch etwas brauchten wir, um die Niederlage zu verdauen. Das geht am besten mit Bier oder Weinschorle. Wir wurden dann aber dann vom Ordnungsdienst freundlich, aber bestimmt, hinausgebeten. Gandalf machte dabei eine besonders gute Figur, als er sich plötzlich von Ordnern eingekesselt sah.

 

Auf dem Weg zum Busshuttle wurden wir von einigen freundlichen Mainz-Fans begleitet, die ob des glücklichen Sieges dementsprechend gut drauf waren. Wir erhielten von ihnen noch ein paar Tipps zur weiteren Gestaltung des Abends in der Stadt.

Am Hauptbahnhof verabschiedete sich dann Gandalfs Kumpel. Ohne ihn machten wir uns dann auf den Weg in Richtung Altstadt, um das Nachtleben von Mainz zu erkunden. Gandalf war mal wieder sehr kontaktfreudig und redseelig, was auf die Wirkung der Weinschorle zurückzuführen war. Und so bekamen wir schon bald an einer Kreuzung einen Tipp von einem Einheimischen, wo wir gute Kneipen finden könnten. Es war auch gar nicht weit. Aber blind, wie wir waren, liefen wir erst mal an der gesuchten Kneipe vorbei und erkundeten erst mal die gesamte Mainzer Fußgängerzone, bevor wir dann doch in die zuerst gesehene Kneipe namens "Good Time" einkehrten.

Hier waren wir genau richtig. Gute Mucke und gut gelaunte Leute ließen keine Langeweile aufkommen. Dazu gab es bezahlbare Getränke. Nach ein paar Runden machten sich bei Gandalf doch ziemliche Konditionsprobleme bemerkbar. Tja, wer Weinschorle im selben Takt trinkt wie andere das Bier... Auf jeden Fall verabschiedeten sich Tine und Gandalf in Richtung Hotel und Osram, Patty und ich hielten weiterhin die Fahne hoch. Mit einem der Gäste, einem Headbanger, der leicht als Jesus' Zwillingsbruder hätte durchgehen können, machten wir weiter. Und wir wechselten das Lokal. Wohl vom selben Besitzer, aber noch eine Stufe lauter war die Kellerbar, in der nur Heavy-Metal lief und "Alexander the Great" genannt wird. Nur kurz wurden wir Fußballfans von den anderen Besuchern, hauptsächlich Metal-Fans beäugt. Und schon waren wir integriert in die Gesellschaft der Besucher. Hier waren alle locker drauf und unser Headbanger, der uns hierhin mitgebracht hatte, ging jetzt richtig ab.

 

 

Ein paar Bier später hatten wir dann auch genug und wir verabschiedeten uns. Das erste Taxi, dass unseren Weg kreuzte, war dann unseres und wir fuhren zum Hotel, wo es dann ohne größere Umwege in die Koje ging.

Am Samstagmorgen wurde erst mal ausgiebig gefrühstückt. Dann erkundeten wir die Altstadt. Einige malerische Winkel waren zu erspähen. Der eine oder andere hatte ein paar Besorgungen zu machen. King Patty suchte ein Königskostüm für den Karneval und wurde fündig. Gandalf suchte was für sein Clown-Outfit. Aber da muss man meiner Meinung nach gar nichts ändern. So wie er ist, passt es doch schon. Gekauft hat er doch was auf dem Markt: Wässrige Möhren und Radieschen. Naja, wer es mag...

 

Leider wurden wir nicht vom Wetter verwöhnt. So nutzten wir die Zeit für etwas Kultur. Schade, dass du nicht dabei warst, Hotte! Wir besichtigten den Mainzer Dom. Als Ersatz-Kulturbeauftrager machte sich Gandalf ganz gut, obwohl ich doch Hottes Kommentar zu folgenden Fragen sehr gerne gehört hätte: Was macht das Pferd auf dem Dach? Und wer liegt in dem Sarg?

Wegen des Regenwetters verzichteten wir anschließend auf weitere ausgedehnte Spaziergänge und kehrten in der nächstbesten Kneipe mit Fußballübertragung ein. Dort verfolgten wir bei Snacks und Bier das Geschehen in den anderen Bundesligastädten und mussten leider mit ansehen, wie das eine oder andere Team in der Tabelle an Borussia vorbeizog. 

Für den Abend hatte Tine, so wir sie kennen, schon zuvor im Internet ein Speiselokal ausgeguckt, wo wir schließlich eintrafen. Der Name "im Gebirg" verriet schon, wo es zu finden war, nämlich ziemlich oben in der Altstadt. Nach endloser Kraxelei über steile Gassen und Treppen erreichten wir den versteckt liegenden Laden. Die Portionen waren gigantisch, aber die Qualität der Zubereitung war doch eher Mittelmaß. Da haben wir woanders schon mal besser gegessen.

Auf dem Weg zurück fanden wir dann eher zufällig genau die Kneipe "Heringsbrunnen", in der unser Headbanger vom Vorabend als Koch arbeitet. Da konnten wir doch mal auf ein Bierchen vorbeischauen. Naja, aus dem einen Bierchen wurden dann einige. Um es kurz zu sagen, es war der letzte Laden des Abends. Aber die Kneipe war gut. Die Musik war so eher Querbeet. Und zu Tines Leidwesen lief auch schon mal der eine oder andere Karnevals-Hit. Aber für das Bier vom Tegernsee, was hier im Ausschank war, brauchten wir keine Eingewöhnungszeit.

So endete der Abend diesmal eher gemütlich und relativ früh, weil wir vom Vorabend noch ziemlich angeschlagen waren. Im Hotelzimmer gab es noch einen Absacker, wie es sich gehört. Insgesamt kann man über Mainz sagen, dass die Bewohner recht freundlich und aufgeschlossen sind. Feiern kann man mit ihnen sehr gut. Eine Tour wie diese können wir gerne noch mal machen. Nur dann bitte in der warmen Jahreszeit. Denn diesmal waren die Wetterbedingungen einfach nur mies.