Der Traum vom Finale ist geplatzt!

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DFB-Pokal, Halbfinale: Borussia - Eintopf Krankfurt 7:8 n. E.

Die Planungen waren abgeschlossen. Eine Liste der an Finalkarten Interessierten war erstellt, damit wir im Fall der Fälle schnell Karten bestellen konnten. Das Hotel war gebucht. Jetzt fehlte im Mosaik Pokalfinale nur noch ein Teil. Nämlich ein Sieg der Borussia im Halbfinale über Frankfurt. Und das sollte doch machbar sein. Oder? Es würde mit der Rumpfmannschaft auf jeden Fall schwer werden, denn immer noch plagten den Trainer Verletzungssorgen. Die Mannschaft stellte sich eigentlich selber auf. Fast jeder, der nicht verletzt war, würde auflaufen.

Omi war diesmal dran mit fahren und setzte eine sehr frühe Startzeit fest. Besser so. Lieber früh da sein und am Fanhaus noch ein Bier trinken, als zu spät losfahren und dann in Ölln im Stau stehen. Und so waren wir wirklich früh da und hatten noch reichlich Zeit für das Fanhaus. Denn nur hier gab es heute richtiges Bier. Sowohl im Stadion als auch im Biergarten hinter der Nordkurve gab es heute nur alkfreie Plörre. Danke, DFB! Ist ja auch so ein Hochrisikospiel. Den nahegelegenen Supermarkt, wo wir immer parken, hat es gefreut. Diese Bierquelle hat sich auch mittlerweile schon rumgesprochen. Auf dem Weg zum Fanhaus bot sich eine etwas andere Perspektive vom Stadiongelände.

Am Fanhaus war die Stimmung recht gut. Erst mal das Tagesgericht testen. Und dann ein lecker Altbier. Wir trafen dort auch weitere Leute der Borussenfestung und ein paar Bekanntschaften von anderen Touren. Nach ein paar Bier und ein paar Runden durchs Gedrängel gingen wir dann zum Stadion, um rechtzeitig einen Platz für unser Banner zu finden.

Natürlich war der Borussiapark ausverkauft. Nur in der Fanszene zeichnete sich Stunk an. Versehentlich hatte der Reinigungsdienst des Borussiaparks vor zwei Tagen die bereits vorbereitete Choreo für dieses Spiel zerstört. Als Konsequenz hatten die Ultras angekündigt, ihre Aktivitäten bei Heimspielen zukünftig einzustellen. Nur heute wollten sie noch mal Stimmung machen. Auf Fahnen oder Banner wollten sie bereits heute verzichten. Naja, dann würden wir zumindest was vom Spiel sehen. Was die langfristigen Folgen sind, wird sich zeigen. Ich persönlich vermisse sie nicht. Dann wird die Spimmung halt mit der Old-School-Methode gemacht. Für unser Banner fand sich diesmal ein Platz an der Bande des Oberrangs. Das blieb nicht unbeobachtet. Jaja, die milden Hellertaler sind auch immer mit dabei.

Hinter dem Block traf nach und nach die Prominenz der Borussenfestung ein.

Die Fans aus Hessen hatten auch eine Choreo vorbereitet. Und sie konnten diese auch präsentieren. Ein Meer von schwarzweißen Fahnen hatten sie mitgebracht. Und, wie sollte es anders sein, auch reichlich Pyrofackeln. Manchmal kann ich das nicht nachvollziehen, wie immer wieder soviel an Pyro-Material in den Gästeblock gelangen kann. Haben die Ordner im Gästebereich ihren Job nicht verstanden?

Wie schon im Spiel vor ein paar Tagen gegen Doofmund verschlief Borussia weite Teile der ersten Halbzeit.  Die Partie startet mit einer Frankfurter Doppelchance in Minute zwei: Unsere ehemalige Tormaschine Hrgota scheitert am herauseilenden Sommer, den Abpraller setzt Fabian knapp links am Kasten vorbei. Und wieder geriet Borussia früh in Rückstand. In der 15. Minute landete eine Direktabnahme im linken Winkel. Unhaltbar für Sommer!

Erst langsam kam Borussia etwas ins Spiel. Die erste Chance gab es kurz nach dem Rückstand. Dahoud nahm die Kugel aus 25 Metern volley und Frankfurts Torwart Hradecky konnte den Ball erst im Nachfassen unter sich begraben. Bis zur Pause tat sich nicht mehr viel. Bis auf den Versuch eines Lupfers von Hofmann, der knapp rechts am Tor vorbei ging.

Und dann kam die Nachspielzeit. Eine Flanke von Traoré flog in den Strafraum und wurde von Hahn per Kopf verlängert. Hofmann war durchgestartet und vollendete zum Ausgleich! Geht doch! Es wurde gar nicht mehr angepfiffen. Der Halbzeitstand von 1:1 war zwar nicht wirklich verdient. Aber was soll es? Das nehmen wir mal so mit. Darauf konnte man in Hälfte zwei aufbauen.


Aber es kam anders. Mit zunehmender Spieldauer zeigte sich mehr und mehr, dass Frankfurt nicht mehr konnte. Immer wieder lag ein Frankfurter auf dem Boden. Oft, um das Spiel zu verzögern. Borussia konnte aus der zunehmenden Dominanz aber kein Kapital schlagen. Nicht zwingend genug waren die wenigen Torchancen, die herausgespielt wurden. Und jetzt merkte man sehr deutlich, daß einige wichtige Spieler, die wegen Verletzung fehlten, nicht gleichwertig ersetzt werden konnten. Die Einsatzbereitschaft der Spieler, die auf dem Platz standen, war da, aber es fehlte an der entscheidenden Qualität, den Frankfurter Abwehrriegel zu knacken. So retteten sich die Frankfurter zunächst in die Verlängerung.

Auch in der Verlängerung bot sich dasselbe Bild. Ständig waren Frankfurter am Boden und hatten nur noch das Ziel, auch die Verlängerung zu überstehen. Und Borussia war zu harmlos und hier und da auch nicht gallig genug. Und so kam das, was keiner wollte: Das Lotteriespiel, genannt Elfmeterschießen! Und damit hatten wir in den letzten Jahren keine guten Erfahrungen gemacht.

Die ersten zwölf Schüsse waren allesamt unhaltbar verwandelt. Und dann nahm das Drama seinen Lauf. Den Fehlschuss von Christensen konnte Sommer mit seiner anschließenden Parade noch egalisieren. Aber dann vergab der eingewechselte Sow und ausgerechnet Hrgota versenkte den letzten Elfer und schickte Borussia ins Tal der Tränen.

Lähmendes Entsetzen durchzog den Borussiapark. Mal wieder wurde das Pokalfinale unglücklich verpasst. Nur im Gästebereich wurde natürlich gefeiert. Innerhalb weniger Wochen hat Borussia viel verspielt und ungeschlagen in der regulären Spielzeit aus Europaleague und DFB-Pokal ausgeschieden. Ziemlich niedergeschlagen kam die Mannschaft in die Nordkurve und verabschiedete sich. Zu dem Zeitpunkt hatte sich die Kurve aber schon ziemlich geleert. Durch die Verlängerung und das Elfmeterschießen war es ja auch schon ziemlich spät.

Das Spielergebnis war ja schon beschissen genug. Aber nach dem Spiel ging das Chaos erst richtig los. Ein Auffahrunfall auf der Autobahn Richtung Ölln sorgte dafür, dass der Verkehr nicht so schnell wie gewohnt abfloss. Fast eine Stunde brauchten wir vom Parkplatz bis zur Autobahnauffahrt. Als wir merkten, dass sich da nichts mehr tat, starteten wir durch und fuhren durch die Stadt und über Land auf die A57, die frei war. So umging zumindest unsere Fahrgemeinschaft der ewigen Warterei auf der A61. So waren wir dann um halb drei am Morgen daheim. Andere vom Fanclub hatten nicht so viel Glück und konnten wohl direkt nach der Ankunft zur Frühschicht durchstarten.

Fazit: Es wäre so schön gewesen, mal wieder ein Finale zu erreichen. Aber es hat nicht sollen sein. Ich bin mir sicher: Mit den Spielern, die heute verletzt gefehlt haben, hätten wir die Frankfurter heute überrannt. Aber hätte, wäre, wenn... zählt leider nicht.

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STATISTIK:

Borussia: Sommer – Elvedi, Christensen, Vestergaard, Wendt (41. N. Schulz) – Strobl, Dahoud (80. Bénes) – Traoré (91. Herrmann), Hofmann (112. Sow) – Hahn, Stindl. Bank: Sippel, Korb, Kolo

Eintracht Frankfurt: Hrádecký – Chandler, Abraham, Hector, Oczipka – Mascarell (59. Wolf/72. Varela), Gaćinović – Fabián, Rebic (75. Seferovic), Tawatha (103. Russ) – Hrgota

Tore: 0:1 Tawatha (15.), 1:1 Hofmann (45.+2)

Elfmeterschießen: 1:0 Stindl, 1:1 Oczipka, 2:1 Herrmann, 2:2 Hector, 3:2 Hahn, 3:3 Gacinovic, 4:3 Strobl, 4:4 Fabian, 5:4 Bénes, 5:5 Russ, 6:5 Vestergaard, 6:6 Seferovic, Christensen verschießt, Varela verschießt, Sow verschießt, 6:7 Hrgota