Bökelberg Revival und ein Sieg zum Jahresende

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Bundesliga, 17. Spieltag: Borussia - Darmstadt 3:2

Schon einige mehrtägige Auswärtstouren haben wir schon gemacht. Und wir haben dabei die Innenstädte und Kneipenszenen vieler Bundesligastädte kennengelernt. Nur für Mönchengladbach galt das bisher nicht. Also beschlossen wir erstmals, eine Tour zum Heimspiel mit Übernachtung zu machen. Erst als die Planungen dazu bereits abgeschlossen waren, wurde das Spiel dummerweise auf sonntags um halb sechs terminiert. Aber egal. Da es sowieso das letzte Wochenende vor Weihnachten war, hatte keiner ein Problem damit.

Teilweise mit dem Auto und teilweise mit der Bahn reisten wir am Samstagmorgen an und trudelten nach und nach im Hotel "Palazzo" unweit vom Gladbacher Hauptbahnhof ein. Nach dem Einchecken und der Versorgung mit lokalen Bierspezialitäten am Kiosk machten wir uns dann zu Fuß auf den Weg. Aber wohin zuerst? Schnell waren wir uns einig. Wir schritten noch einmal die alte Route vom Bahnhof zum Bökelberg ab. Vorbei am Marktplatz in Eicken, den alten Kultkneipen und dem Borussendenkmal erreichten wir dann das Gelände, wo mal das Bökelbergstadion gestanden hat.

Das Gelände, dass eines der teuersten Baugrundstücke der Gegend ist, ist mittlerweile ziemlich zugebaut. Nur noch ein kleiner Teil vom ehemaligen heiligen Rasen ist noch erhalten. Die Hänge der Süd- und Nordkurve sowie der Haupttribüne sind noch erhalten und mit etwas Fantasie konnte man sich vorstellen, wie es einmal hier ausgesehen hat. Vor allem für unsere jüngeren Leute, die nie ein Spiel am Bökelberg gesehen haben, war es eine interessante Erfahrung. Hier der Blick aus Richtung der ehemaligen Nordkurve:

Ausgiebig erkundeten wir das Gelände. Auf einem Grundstück ist durch eine Nische noch der Ort des ehemaligen Elfmeterpunkts vor der Nordkurve erkennbar. Bei dem einen oder anderen stellte sich so langsam Kohldampf ein und wir machten uns wieder auf den Weg. In der Altstadt am alten Markt hofften wir, für uns ein Restaurant zu finden. Es war aber gar nicht so einfach, für vierzehn Leute einen Platz zu bekommen. Entweder waren die Läden noch zu oder sie waren zu voll. Schließlich hatten wir doch noch Glück und kehrten in einer Pizzeria direkt am alten Markt ein. Der Kellner, der uns hereingelassen hatte, kassierte von seinem Chef einen Anschiss, weil der Tisch eigentlich für jemand anderes reserviert war. Aber jetzt waren wir da und wurden auch freundlich bedient.

Die Pizza war so naja. Hab schon mal bessere gegessen. Zum Beispiel in Turin. Aber das Überleben war gesichert und der Hungertod abgewendet. So gestärkt nahmen wir die nächste Station des Tages in Angriff: Den Weihnachtsmarkt! Im Gedränge verloren wir uns zunächst etwas aus den Augen. Erst verschwand Gandalf. Und dann war Omi weg. Letztendlich fanden wir uns aber alle wieder und fanden sogar einen Tisch für uns unterm Dach einer der Bewirtungsbuden. Zunächst testeten wir die Feuerzangenbowle, stiegen dann aber auf das speziell für Weihnachten gebraute Getränk der örtlichen Brauerei um.

Zu vorgerückter Stunde, als auf dem Weihnachtsmarkt so langsam die Hähne hochgingen, machten wir uns auf dem Weg den Berg hinunter Richtung Hotel. Aber zum Schlafen war es doch noch zu früh. Unweit des Hotels fand sich eine gute Kneipe, in die wir einkehrten. Und hier war dann Zeit für sportliche Höchstleistungen an der Dartscheibe. Highlight war das letzte Spiel, bei dem die Zuschauer sich in Ruhe noch ein bis zwei Bierchen trinken konnten. Es hätten auch noch mehr werden können, aber Simon setzte dem Spiel unverhofft in der 27. Runde mit seinem Check auf Doppeleins ein jähes Ende. Damit hatte keiner gerechnet. :-)

So langsam lichteten sich die Reihen. Am Ende waren nur noch Patty und ich übrig. Nach einem weiteren Bierchen war es dann auch für uns Zeit, ins Hotel zu gehen. Dort genehmigten wir uns im Zimmer noch einen Absacker, bevor es auch für uns hieß: Augenpflege!

Nach einer etwas von Holzerntegeräuschen gestörten Nacht wurde erst mal ausgiebig gefrühstückt. Nach dem Auschecken gingen wir wieder den Berg hoch zum alten Markt und machten am selben Tisch weiter, wo wir am Vorabend aufgehört hatten. Das Nikolausbier war aber auch so was von lecker. Um diese Uhrzeit war der Betrieb auf dem Weihnachtsmarkt noch überschaubar. Aber immer mehr konnten wir die Ankunft weiterer Gladbachfans und auch von ein paar Gästefans aus Darmstadt beobachten.

Wir hatten unseren Tisch hinter einer Bank, wo der hiesige Nikolaus mit seinem Knecht und seinem Troll platzgenommen hatte. Kleine Kinder konnten sich von ihren Eltern zusammen mit ihm ablichten lassen. Zwangsläufig waren wir so mit auf jedem Foto. Und wir gaben uns Mühe, möglichst dumme Gesichter und Grimassen zu schneiden und unseren Schal zu präsentieren. Die armen Eltern. Wie erklären sie ihren Kindern die doofen Gestalten im Hintergrund der Fotos? Folgendes Foto zeigt den Moment, als der Nikolaus dahinterkam... :-)

Im Laufe des Nachmittags lichteten sich unsere Reihen etwas. Ein paar Leute wollten noch ins Fanhaus, Zusammen mit ein paar anderen blieb ich zunächst noch, um ein paar Leute aus Gladbach zu treffen, die sich angekündigt hatten. Irgendwann wurde es aber dann auch für uns Zeit zum Aufbruch, um dem großen Gedränge bei den Shuttlebussen zu entgehen. Und der Weg zum Bahnhof zieht sich ja bekanntlich etwas durch die Fußgängerzone.

Wir waren keine Sekunde zu früh. Lange steckte der Shuttlebus im Stau Richtung Stadion. War heute die ganze Stadt unterwegs? Gerade noch rechtzeitig erreichten wir den Borussiapark. Den Gedanken, auch noch ins Fanhaus zu gehen, konnten wir verwerfen. Schnell wurde noch ein Bierchen geholt und rein ging es in den Block.

Die Hütte war fast ausverkauft. Nur ein paar hundert Plätze waren frei geblieben. Auch der Gästeblock war gut gefüllt. So was ist mir ja lieber, als wenn sich zweihundert Dorftrottel aus dem Kraichgau oder aus den Autostädten der Liga darin verlieren. Da ist Stimmung garantiert.

Es sollte ein hitziges und ereignisreiches Spiel werden. Der Überraschungs-Aufsteiger war nicht gekommen, um applaudierend die Punkte abzuliefern, sondern hielt mächtig dagegen. Nur selten gelang es unseren Angreifern, für Gefahr zu sorgen. Die erste Chance hatte Raffael in der 24. Minute, der das Tor nur knapp verfehlte. Ein paar Minuten später dann der erste Schock. Darmstadt wagte sich nach vorne und ging promt in Führung durch den ehemaligen Siegener Heller! Da hatte unsere Abwehr aber mächtig gepennt nach einem Einwurf, der per Kopf zum Torschützen weitergeleitet wurde. Das sollte jetzt gegen die gut postierte Abwehr der Lilien ein hartes Stück Arbeit werden.

Und es sollte noch schwerer werden. In der 39. Minute ließ sich Xhaka zu einem Revanchefoul provozieren, worauf er vorzeitig zum Duschen geschickt wurde. Aber trotz der Schwächung bewies Borussia Moral. Kurz vor dem Halbzeitpfiff fiel Stindl der Ball nach einem Abwehrversuch vor die Füße und schlenzte ihn flach ins linke Toreck zum Ausgleich. Die Erleichterung darüber war in der Halbzeit im Block spürbar.

Borussia kam sehr gut in die zweite Hälfte. Nach einem Foul an Raffael schaffte Nordtveit mit dem fälligen Freistoß den Führungstreffer! Dieser gab aber noch keine Sicherheit. Darmstadt hatte auch seine Chancen. Mehrfach war Sommer zur Stelle. Aber in der 67. Minute war er doch machtlos. Nach einer Flanke konnte der Darmstädter Angreifer freistehend einköpfen zum Ausgleich.

Würde Borussia noch mal zurückkommen? Mit einem Mann weniger schwanden jetzt zunehmend die Kräfte. Und Darmstadt hatte mehrere Chancen zum Siegtreffer. Aber Sommer verhinderte diesen. Es war nicht mehr viel Zeit. Würde die Kraft reichen, den Punkt zu sichern. Oder war vielleicht noch ein Sieg drin?

Das hatte sich wahrscheinlich auch unser Oskar Wendt gedacht. Wie schon ein paar Wochen zuvor gegen die Bazies schaltete er sich vier Minuten vor dem Abpfiff in den letzten mit allerletzter Kraft geführten Angriff ein. Er spielte einen genialen Doppelpass mit Stindl und schob zum vielumjubelten 3:2 ein! Extase! Bierdusche! Pogo! Neee, was war das geil gemacht! Die späten Siegtore sind nun mal die schönsten! Colautti lässt grüßen! Borussia ließ jetzt nichts mehr anbrennen und schaukelte den knappen Vorsprung über die Zeit. Am Ende war es ein glücklicher, aber nicht unverdienter Sieg gegen einen starken Gegner aus Hessen. Am Ende hatte Borussia den stärkeren Siegeswillen in einem lange offenen Spiel und war dafür belohnt worden.

Die Feierlichkeiten vor der Nordkurve dauerten heute etwas länger. Die Mannschaft wurde mit "Die Seele brennt" in die Winterpause verabschiedet. Die Mannschaft hat in der Hinrunde großes geleistet. Trotz des Ausscheidens in der Championsleague hat sie internationale Achtung erlangt, ist nur unglücklich gescheitert und hat gezeigt, dass sie auch mit großen Namen mithalten kann.

Eine ereignisreiche Hinrunde liegt hinter uns. Wer hätte gedacht, dass nach dem verpatzten Saisonstart mit null Punkten nach fünf Spielen Borussia auf dem vierten Tabellenplatz überwintern würde. Der heutige Sieg war ein gelungener Abschluss einer Zweitagestour zu einem Heimspiel am Ende der Hinrunde. So was können wir ruhig öfter machen. Und was geht noch in der Rückrunde, wenn Borussia nur noch in einem Wettbewerb vertreten ist? Die Antwort wird das neue Jahr zeigen.